Report behauptet:
Ikea zerstört Schutzgebiete für Wegwerfmöbel

Das schwedische Möbelunternehmen IKEA verspricht, überwiegend FSC-zertifiziertes oder recyceltes Holz zu verwenden, Wälder verantwortungsvoll zu bewirtschaften und den Recyclinganteil deutlich zu erhöhen. Alles nur Werbeversprechen fürs „grüne“ Image?
Ein am Dienstag veröffentlichter Greenpeace-Report behauptet, dass der internationale Möbelriese Ikea trotz Nachhaltigkeitsversprechen wertvolle Naturwälder in einem rumänischen Natura-2000-Schutzgebiet abgeholzt und für Billigmöbel verarbeitet hat. Auch in Österreich sind Ikea-Produkte erhältlich, deren Holz höchstwahrscheinlich aus geschützten Wäldern in Europa stammt – etwa das Holzbett „Neiden”.
„Schutzregelungen missachtet“
Biodiversitätsexpertin Ursula Bittner: „Europas alte Wälder beherbergen unzählige Arten. Hier streifen Luchse, Rothirsche und Braunbären durch fast unberührte Baumlandschaften, viele der Bäume sind Hunderte Jahre alt. Auch um unser Klima zu regulieren und Wasser zu speichern, sind Wälder entscheidend. Ikea schmückt sich mit großen Nachhaltigkeitsversprechen – gleichzeitig zeigen Greenpeace-Recherchen erneut, dass Ikea-Zulieferer Schutzregelungen missachten und wertvolle Wälder zerstören.“
Am Papier setze Ikea ambitionierte Ziele, doch dem Konzern fehle es an konkreten, messbaren Artenschutzzielen, so Greenpeace. Ikea bezöge nach wie vor Holz aus schützenswerten Wäldern – statistisch gesehen würde für den Möbelgiganten alle zwei Sekunden ein Baum gefällt. Über 25 Jahre hat Greenpeace Baumverlust („Tree cover loss”) in Polen, Schweden, Deutschland, Rumänien und Finnland analysiert. Diese Länder liefern fast die Hälfte des von Ikea verwendeten Frischholzes. Der alarmierende Baumverlust in diesen Ländern zeigt, dass etwa Natura-2000-Schutzgebiete nicht vor Entwaldung schützen.
Die im Report dokumentierte Fallstudie zeichnet ein verheerendes Bild: Im Forstbezirk Rusca Montană (Parzelle 37), der innerhalb eines geschützten Natura 2000-Gebiets in den rumänischen Karpaten liegt, kam es zu massiven Einschlägen. In einem Gebiet von 15 Hektar wurden sämtliche Bäume gerodet, das ökologisch notwendige Totholz wurde entfernt. Das geschlagene Holz gelangte nachweislich in die Lieferkette von Ikea-Zulieferern, so Greenpeace.
Im Rahmen der Artenschutzkonferenz haben sich 196 Staaten darauf geeinigt, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen effektiv zu schützen – die EU sogar ein Drittel davon streng. Das betreffende Gebiet hätte ursprünglich im Rahmen dessen unter strengen Schutz gestellt werden müssen. Nachdem es gerodet wurde, ist es nun von der Schutzliste gestrichen.
Zertifikate wie FSC versagen
Ikea stützt seine Nachhaltigkeitsversprechen nach wie vor primär auf FSC-Zertifikate. Doch auch wenn sich Konzerne unter der neuen EU-Empowering-Consumers-Richtlinie hinter solchen Zertifikatssystemen verstecken können, zeigt die Realität: Siegel garantieren keinen echten Waldschutz. Das Regelwerk ist lückenhaft und erlaubt Ausnahmen, durch die Holz aus wertvollen Urwäldern und Schutzgebieten bezogen werden darf. Statt den tatsächlichen ökologischen Zustand ganzheitlich zu messen, stützen sich Zertifikate und Ikea-Kontrollen oft auf reine Nutzungskriterien und oberflächliche Kennzahlen wie Baumzählungen, so Greenpeace.
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