Hamburg lädt ein und Nachwuchstalente aus ganz Deutschland folgten der Einladung, um in einem musikalischen Wettstreit "geballte Tracks aus dem Untergrund" zum Besten zu geben. Die weitestgehend unbekannten Sieger des Wettbewerbs finden sich jetzt auf dem 13 Songs starken Sampler wieder.
Nun erwartet man sich auf einer Untergrund-Scheibe vor allem eines: andere Sicht- und Zugangsweisen zu alltäglichen, vielleicht sogar politischen Themen. Auf jeden Fall sollte Untergrund anders klingen als jene Rap-Songs, die man tagtäglich im Radio zu Gehör bekommt. "Hamburg lädt ein" gelingt dies nur bedingt.
Da geht es zum x-ten Mal um rauchbare Substanzen, belanglose Party-Tracks, die eigene Großartigkeit und die Minderwertigkeit der anderen Rapper. Und Natürlich lebt jeder im größten Ghetto unter den härtesten Bedingungen. Ansätze von Gesellschaftskritik sind zwar vorhanden, werden aber oberflächlich und teilweise so plump behandelt, dass sich die Songs selbst der Lächerlichkeit preisgeben. Als ob das nicht schon langweilig genug wäre, versucht man dann auch noch so zu klingen wie die großen "Mainstream"-Idole. "Styles biten" nennt man das im Hip Hop-Sprachgebrauch.
Was textlich leider nicht gelingt, funktioniert auf musikalischer Ebene wunderbar: Die Beats klingen überraschend frisch - oder "fresh" - und vermengen gekonnt andere Stile und Klänge zu einem homogenen Ganzen. Hier wird der Unterschied zum amerikanisierten Hip Hop aus Deutschland am deutlichsten hörbar. Vielleicht gelingt dies in einer Zweitauflage auch auf der Text-Ebene.
"Hamburg lädt ein" bietet für Rap-Fans von allem ein bisschen, von einem inspirierten Untegrund zu reden wäre hier aber falsch. Während ein Song wie "Vorsicht" (Kaleel & CSP) zu überzeugen weiß, so klingt "Kotzen" (Lance Carvell) nämlich genau so. Probe-Hören macht sich bezahlt.
Fazit: 5 von 10 untergrundigen Untergründlern
von Sebastian Räuchle
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