Sa, 23. Juni 2018

"Dying Light"

13.12.2014 06:30

So übel wurde uns von der Zombie-Apokalypse

Mit "Dying Light" erscheint Ende Jänner ein opulentes Zombie-Spektakel des polnischen Entwicklers Techland für PC, PS4 und Xbox One. Im Spiel gilt es, mit Sprints, akrobatischen Sprüngen, verschiedensten Hieb- und Stichwaffen sowie Fallen gegen die untoten Horden zu bestehen, die in der fiktiven Stadt Harran Angst und Schrecken verbreiten. Wer mag, kann die wandelnden Kadaver sogar mit der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift bekriegen, als wäre er mittendrin. Wie sich das anfühlt, hat krone.at-Reporter Dominik Erlinger ausprobiert – Virtual-Reality-Übelkeit inklusive.

Wir sind umzingelt. Überall gieren blutverschmierte Untote nach unserem Gehirn, hinken uns mit aufgerissenem Maul hinterher und greifen mit ihren verwesenden Händen nach uns. Als uns einer zu fassen bekommt, sind wir heilfroh, dass die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, auf der uns Techland sein kommendes Zombie-Game "Dying Light" vorgeführt hat, nur sichtfeldfüllendes Bildmaterial, nicht aber Gerüche darstellt.

Wie es aus dem Maul des Zombies stinkt, der trotz heftiger Gegenwehr seine fauligen Zähne in unseren Hals graben will, stellen wir uns nämlich auch so schon lebhaft genug vor, bevor leichte Übelkeit uns übermannt und wir die Virtual-Reality-Demo unterbrechen.

Willkommen in der Welt von "Dying Light". Willkommen in beängstigender, Übelkeit erzeugender virtueller Realität. Das flaue Gefühl in der Magengrube rührt freilich nicht von den Techland-Zombies her, sondern von der ungewohnten Herausforderung für das Hirn des Testers. Die schwindelerregende Hetzjagd durch die Welt von "Dying Light" zu sehen, als wäre sie real - und sich gleichzeitig in einem sitzenden Körper zu befinden, der die Parkour-Einlagen aus dem Spiel nicht mitmacht, das müssen die grauen Zellen erstmal verkraften. Ziemlich beeindruckend ist es trotzdem.

Eindrucksvolles Beiwerk: VR-Integration
Auch wenn "Dying Light" primär ein normales First-Person-Actionspiel ist und zum Start Ende Jänner von den allermeisten Spielern ganz klassisch am TV-Gerät erlebt werden wird, zeigt die Virtual-Reality-Demo doch, was mit aktueller PC-Technik möglich ist. Die Kopfbewegungen des Spielers werden in Echtzeit ins Spiel übertragen, wodurch er sich umschauen kann, als wäre er tatsächlich inmitten der Zombie-Apokalypse.

Dass die blickfeldfüllende Darstellung trotz Full-HD-Auflösung eher grobkörnig ist und uns – ebenso wie bei ersten Versuchen mit Samsungs Virtual-Reality-Brille Gear VR – ein wenig das Gefühl gab, aus kurzer Distanz in einen Röhrenfernseher zu schauen, trübt zwar den Realismus, ändert aber nichts am generell beeindruckenden Spielerlebnis. Lösen die Entwickler noch das Problem mit der mangelnden Schärfe und der Virtual-Reality-Seekrankheit, die den Spieler befallen kann, steht PC- und Konsolenspielern in den nächsten Jahren ein beeindruckender Evolutionssprung des Gaming bevor.

Zombies: Tagsüber schwach, nachts richtig fies
Aber zurück zu "Dying Light". In Techlands Zombie-Game dreht sich alles darum, in der arabisch angehauchten Stadt Harran zu überleben. Tagsüber ist das kein großes Problem: Die Zombies, die durch die Straßen huschen, sind nicht besonders schnell oder schlau und eigentlich nur in der Gruppe gefährlich. Auf ausschweifende Kämpfe lässt man sich im Regelfall trotzdem nicht ein, stattdessen sammelt man Ausrüstung, erledigt kleinere Aufträge und flitzt in bester Parkour-Manier über Dächer, klettert Hauswände empor und springt von einem Gebäude zum nächsten, ohne der am Boden marodierenden Zombie-Armee in die Quere zu kommen. "Mirror's Edge" lässt grüßen.

Bricht die Nacht ein, wendet sich das Blatt. Die tagsüber erbeutete Ausrüstung – etwa Brandbomben zur Zombie-Ablenkung – und eigens aufgebaute Fallen sind nun die Lebensversicherung des Spielers. Nachts streifen stärkere Zombies und Abscheulichkeiten durch die Straßen als tagsüber. Sie sind schneller, schlauer und weit härter im Nehmen als ihre bei Sonnenschein durch die Straßen irrenden Cousins – und machen es dem Spieler schwer, seine Aufträge zu erfüllen.

Gilt es beispielsweise, die DNA-Probe eines bestimmten Zombies zu beschaffen, muss der Spieler nachts alle Register ziehen, um lebend aus der Angelegenheit herauszukommen. Gegner mit Brandbomben ablenken, an ihnen vorbeischleichen, anhängliche Gesellen bei halsbrecherischen Verfolgungsjagden über Harrans Dächer abhängen und sich zur Not Blut und Beuschel des eben erlegten Untoten als Tarnung ins Gesicht schmieren – die Palette der Überlebensfähigkeiten in "Dying Light" ist lang, aber notwendig.

Rasantes Gameplay, riesige Spielwelt
Dabei spielt sich "Dying Light" außerordentlich rasant. Das liegt einerseits an der gelungenen Steuerung, bei der die meisten für die blitzschnelle Fortbewegung benötigten Fähigkeiten mit nur einem Knopfdruck zu erreichen sind, andererseits an der großräumigen und abwechslungsreichen Spielwelt.

Wo andere Games enge und düstere Gänge mit Zombies spicken und den Spieler geradewegs hindurchschicken, bietet "Dying Light" eine Stadt von beachtlicher Größe, die im Grunde überall mit Zombies gespickt ist, denen man aber geschickt durch Umwege über Dächer aus dem Weg gehen kann. Klettern können nämlich glücklicherweise nur wenige Untote – vor allem tagsüber.

Konsequente Spielweise für neue Skills
Dadurch eignet sich "Dying Light" voraussichtlich auch für jene Spieler, die keine Freude an klaustrophobisch-engen Gängen haben und es schätzen, den verwesenden Feinden aus dem Weg gehen zu können. Lobenswert: Das Game lässt dem Spieler die Wahlfreiheit, ob er die Zombies mit Waffengewalt zurückdrängt oder sie lieber durch geschickte Aktionen ausmanövriert.

Je nach Vorgehensweise gibt's mit der Zeit Skill-Punkte, mit denen Kampf- oder Parkour-Fähigkeiten ausgebaut werden können. So belohnt das Spiel konsequent in eine Richtung – Kampf oder Parkour – gehende Spielweise. In Harran verteilte sichere Orte laden zum Verweilen ein, Überlebende – nicht alle von ihnen sind dem Spieler freundlich gesinnt – bringen Abwechslung ins Zombie-Getümmel. Und ein Crafting-System lädt dazu ein, geplünderten Ramsch in Waffen und Fallen zu verwandeln.

Vorzügliche Optik, stimmige Soundkulisse
Optisch macht "Dying Light" einen vorzüglichen Eindruck – nicht nur in der Virtual-Reality-Variante, sondern auch normal am Bildschirm. Für unsere Demonstration hat Techland einen hochgezüchteten Spielerechner mitgebracht. Und darauf überzeugte "Dying Light" mit einer mit viel Liebe zum Detail erstellten Stadt, vielen verschiedenen Zombie-Modellen, gelungenen Animationen und Lichteffekten, knackig-scharfen Texturen und ausdrucksstarken Gesichtern.

Die finale Version dürfte zwar gerade auf den Konsolen nicht ganz so hübsch sein wie am PC. Dass man sich bei Techland bewusst dafür entschieden hat, nur die neue Konsolengeneration zu bedienen und PS3 sowie Xbox 360 wegen ihrer betagten Hardware nicht zu unterstützen, lässt aber auf gelungene Konsolenumsetzungen hoffen.

Einen guten Eindruck macht auch der Sound von "Dying Light". Die Geräuschkulisse im Zombie-verseuchten Harran mit kreischenden und stöhnenden Untoten war beim Ausprobieren fesselnd, die Sprecher der wenigen menschlichen Überlebenden in dem Höllenloch scheinen – zumindest in der englischen Version – eine gute Wahl zu sein.

Ersteindruck:Unterhaltsamer Zombie-Spielplatz
Techland hat mit der "Dead Island"-Reihe bewiesen, etwas von Zombie-Games zu verstehen, und unserem Ersteindruck nach scheinen die Polen auch bei "Dying Light" den richtigen Riecher zu haben. Beim kurzen Probespielen erlebten wir Harran als blutigen Abenteuerspielplatz für Erwachsene, der auch Spielern zumutbar ist, die kein Faible für Zombie-Games in engen Gängen haben.

Die Parkour-Elemente und der Tag-Nacht-Wechsel mit seinen ganz eigenen Herausforderungen scheinen gut umgesetzt zu sein, das Skill- und Crafting-System sollte die Spieler auch dauerhaft bei der Stange halten. Wenn die Handlung kein völliger Rohrkrepierer wird und die Umsetzung nicht an Bugs krankt, dürfte "Dying Light" ein gelungener Zombie-Spaß werden. Und zwar nicht nur für die Handvoll Spieler, die zum Start bereits eine Virtual-Reality-Brille ihr Eigen nennen.

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