Im Klagenfurter Ventil öffnet das teatro zumbayllu die Landkarte der Lieder, um mit einer konzertanten, szenisch unterfütterten Produktion Musik, Tanz und Erinnerung zu verweben.
Eine Wunderkammer voller Staunen und Möglichkeiten ist dieser offene Raum – ein Ventil für Kunst, Kultur, Diskurs und Gesellschaftspolitik mit unzähligen Plakaten und dem Gewölbe, das auf die historische Bedeutung des denkmalgeschützten Gebäudes am Kardinalplatz 1 verweist. Und den Alltag lässt man auch ganz schnell hinter sich, wenn Florian Zambrano Moreno lächelnd sein Publikum begrüßt, das am Freitag alle Plätze füllt, um in die neue zumbayllu-Produktion „Mapa des Concierto“ einzutauchen – und mit Schauspielerin Sara Zambrano Moreno, Sängerin Natalie Krainer und Musiker Rudi Katholnig interkulturell auf die Suche nach Liedgut zu gehen, das sie geprägt und beeinflusst hat.
Heimat wird kartografiert
Requisiten braucht es dafür nicht! Da reichen, ohne in irgendwelche oberflächlichen Klassifizierungen abzurutschen, die lebensdurchpulste Ausstrahlung der beiden Frauen aus Ecuador und Kärnten, die ihre Heimat kartografieren, erforschen und damit weit zurückgehen in ihre Kulturen ebenso wie in den Klang der Erinnerung und ein Frausein zwischen Feminismus und Femizid. Wunderbar und mitreißend der eingeklatschte Beginn für eine temperamentvolle Herkunftsbestimmung, die Sara Zambrano Moreno singend und tanzend tief in ihren südamerikanischen Ursprung führt, wo die Mutter zum Lied des Fischers tanzt, der mit Mond und Strand spricht.
„Es gibt Lieder, die uns daran erinnern, wie kostbar das Leben ist“, steht als Textprojektion an der Wand. Und eine Hymne an Leben und Frausein ist diese Selbsterkundung nach Noten auch. Dass bei aller Poesie, Lebensfreude und Melancholie, die das eingespielte Trio mit Stimme, Körper, Akkordeon und Klarinetten erzeugt, auch kritische Töne nicht fehlen, wird im Verlauf zunehmend hörbar, etwa in Krainers Dialektlied über einen Mutter-Tochter-Konflikt, oder dem performativen Ende, das die aneinandergebundenen Protagonistinnen um Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen lässt. Sehenswert bis 26. September.
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