Das Grazer Kollektiv Planetenparty Prinzip hat ein Kartenspiel entwickelt, das immer schlechter wird: „Das Enshittification Game“ entlarvt Suchtmechanismen und die Logiken der kapitalistischen Gier nach Mehr.
Das Geld heißt hier „Spaß“ und nur wer gewinnt, hat „Spaß“: Regisseur Alexander Benke arbeitet sich mit seinem neuen „Enshittification Game“ an den Logiken digitaler Plattformen ab. Das Publikum kommt dafür im Theaterhaus nicht zur Bühne, sondern in ein Casino, wo drei bunte Monster-Croupiers (David Valentek, Magdalena Hanetseder und Marita Landgrebe) warten.
Zuerst schließt man mit ihnen harmlose Freundschaften, doch schon bald zeigt sich das Spiel von seiner dunklen Seite: Es treibt seine Spieler zur kapitalistischen Gier, dazu, für mehr „Spaß“ ihre Sozialversicherungsnummer preiszugeben, zu schummeln, zu betrügen und der Konkurrenz größtmöglich zu schaden. Immerhin geht es ums Gewinnen! Die Sieger bekommen „Spaß“, bessere Karten, Applaus. Je mehr man gewinnt, desto mehr kann man gewinnen. Bis am Ende nur die Entwickler siegen.
Plattformen für Profit
„Enshittification“ beschreibt den Verfallsprozess digitaler Plattformen: Zuerst dienen sie den Bedürfnissen der Nutzer, dann jenen der Werbetreibenden, bis sie beide nur noch ausbeuten. Der kanadisch-britische Autor Cory Doctorow hat den Begriff geprägt, der dem „Game“ zugrunde liegt.
Die Spielkarten von Susi Possnitz sind das eigentliche Kunstwerk: detailverliebt gestaltet und mit Widersprüchen erdacht. So ist auf der „Gerechtigkeit“ etwa eine Figur mit Sturmgewehr zu sehen.
Der Spieleabend ist detailreich umgesetzt, doch hat trotz all des „Spaßes“ auch gewisse Längen. Weitere Termine: 19., 21., 22., 23. September, je 19 Uhr.
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