Groovt wie die Sau!

Eric Burdons “Soul of a Man”

Musik
18.02.2006 22:44
65 Jahre Blues und Rock’n’Roll, eine Menge Whiskey und spanischer Billig-Rotwein haben Spuren hinterlassen. Aber viel weniger an Eric Burdon selbst, als an der internationalen Musikwelt um ihn herum. Wo andere schon längst in Pension gehen, fängt er erst so richtig zu ackern an. Nach fast einem halben Jahrhundert auf der Bühne kommt mit „Soul of a Man“ das zweite Studioalbum ohne seine berühmten „Animals“. Und es groovt wie die Sau!
kmm

Um Eric Burdon vorzustellen, sagt man in der Regel nur fünf Worte: House of the rising Sun. Dieser Mann ist eine lebende Legende! In 65 Lebensjahren hat er dutzende Alben mit seiner immer wechselnden Begleitformation „The Animals“ eingespielt, zahlreiche Nebenprojekte mit den größten Superstars aus dem Musik-Biz angezettelt und obendrein noch in zehn respektablen Spielfilmen mitgewirkt.

Eric "The Bourbon" Burden
Bekannt geworden ist er aber eigentlich durch ausufernde Alkoholexzesse, Sex-Skandale und wegen seiner zweifelhaften Angewohnheit, Konzerte einfach abzusagen, wenn er mal wieder zu benebelt zum Spielen war. Er pflegte in seinen Glanzzeiten derartige Unmengen von billigem, spanischen Supermarktrotwein auf der Bühne zu verdrücken, bei denen Kurt Cobain schon nach der Hälfte aus den Latschen gekippt wäre. Von dieser Zeit blieben letztendlich weder seine Stimme, sein Image, noch sein Stolz verschont. 

"The South will rise again"
Aber das ist alles längst vorbei und er hat es wieder ganz nach oben geschafft: Mit dem neuen Album „Soul of Man“ lässt Mister Burdon, der eigentlich Brite ist, wieder so richtig die Sau raus und den Stil des US-Südstaaten-Rock erneut aufleben. Diesmal ohne Drogen, dafür mit mehr Buerlecithin und Klosterfrau-Melissengeist.

Altert in Würde mit seinen Lastern
Nun zum Eigentlichen: Im Alter hat Burdon endlich die Philosophie gepackt. Im gleichnamigen Album-Opener von „Soul of a Man“ fragt er höchst spirituell nach der Quintessenz des Menschen. Nach exakt vier Minuten und sechzehn Sekunden beschließt er dieses Thema aber auch gleich wieder und wendet sich wichtigeren Dingen zu. Nämlich seiner „Kingsize Jones“, der übergroßen (Ex-)Sucht nach zwei unumstößlichen Säulen der Blues- und Rockgeschichte: Groupies und Drogen.

Alte Klassiker neu aufgelegt
Die 14 Tracks auf „Soul of a Man“ sind allesamt mehr oder weniger in Vergessenheit geratene Blues- und Rock-Klassiker, die Eric Burdon mit einer ansehnlichen Ansammlung verdammt guter Musiker neu interpretierte und mal hier, mal da textlich auf seine Bedürfnisse abstimmte. Gewidmet sind sie unter anderem auch der letztes Jahr verstorbenen Blues-Legende Ray Charles.

Groove bis zum letzten Track
Fetziger Tex-Mex-Rock und verrauchte Blues-Balladen beherrschen „Soul of a Man“ bis in die letzte Spielminute. Der halb spanisch-sprachige Track „Como se llama Mama“ schreit geradezu nach einer hüftschwingenden Tanzeinlage der Barmaid, während die gleichnamige PS-Ballade über den verlorenen „GTO“ einem V8-Freak dicke, ölige Tränen in die Augen treiben kann. 

Crème de la Crème zum Schluss
Besondere Empfehlung verdienen sich die drei letzten Tracks des Albums. Bei „Devil Run“ befindet sich Burdons Stimme in Höchstform und klingt so kraftvoll wie schon lange nicht mehr. Selbiges gilt für „I don’t mind“, wo er mit einem weinerlichen Saxophon sensationell gut um die Wette plärrt. Mit „Circuit Rider“ erhält „Soul of a Man“ einen würdigen Abschluss im Stil einer im Whiskey getränkten „John Lee Hooker“-Nummer. Also dann, Prost!

10 von 10 wieder nüchternen Rock-Legenden


Von Christoph Andert

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