"Bright Side"

Feinste Saitenklänge vom Wolfgang Muthspiel Trio

Musik
18.02.2006 22:38
Wenn von „Österreichs Gitarren“ die Rede ist, sind nicht immer Ambros, Fendrich und Danzer gemeint. Weit über die Landesgrenzen hinaus, verkörpert ein Steirer Namens Wolfgang Muthspiel das, was viele in die Kategorie „musikalische Hochgenüsse“ einordnen. Und da muss man sich noch nicht einmal ansatzweise mit den Saiten des Jazz auskennen, um das zu spüren. Wer in diesen rapiden Zeiten Lust auf den so richtig entspannenden Flow hat, ist bei ihm an der richtigen Adresse.
kmm

Geboren in der Steiermark, zog er vor knapp zwanzig Jahren nach Amerika aus und wirbelte dort durch die Gitarren-Klassen der namhaftesten Musik-Colleges in Boston und New York. Im Jahr 2002 kehrte Wolfgang Muthspiel schließlich wieder nach Österreich heim. In Wien traf der Ausnahme-Gitarrist auf ein Tiroler Zwillingspaar, mit dem er kürzlich sein Trio gründete. „Bright Side“ nennt sich die erste Platte der puristischen Gruppierung und bietet Instrumentalmusik vom Feinsten.

Und die passt vor allem gut ins Wohnzimmer und mitunter auch auf Ohren, die sich noch nie eindringlich mit Gitarrenmusik befasst haben. Mit den Tiroler Zwillingsbrüdern Matthias und Andreas Pichler an Bass und Schlagwerk, schuf Wolfgang Muthspiel ein stimmiges Ganzes aus fließenden Gitarrenimprovisationen und melodischen Band-Kompositionen. 

Wer sich also vor schrägen Tönen und wild zusammen gewürfelten Akkorden fürchtet, kommt beim Wolfgang Muthspiel Trio auf seine Kosten. Mal plätschert es ruhig dahin, mal peitscht der Tiroler an den Trommeln bei Muthspiels virtuosen Klang-Eskapaden so richtig den Rhythmus voran. Eines bleibt aber durchgehend gleich: Die Noten aus Muthspiels Feder stehen immer in wohlklingender, harmonischer Relation. 

Schon beim Opener „Etude #2“ wird klar, dass man es hier nicht mit einem schnöseligen Avantgardisten zu tun hat. Wolfgang Muthspiel setzt seine Musik dorthin, wo sie jeder versteht, der sich auf sie einlässt: In den Bauch. Weiter auf „Bright Side“ geht’s mit einer stimmigen Ballade Namens „Shanghai“, die ihrerseits nichts mit Klängen aus Fernost zu tun hat, aber in ihrem beruhigenden Flow einer chinesischen Meditation gleichkommt. 

Zwischendurch steigt Muthspiel auch immer wieder auf die klassische Gitarre um. Die „Etude #1“ ist ein gänzlich akustisches Stück mit hoher Konzertqualität. Zusammen mit den beiden versierten Tirolern gelingt ihm quer übers Album ein dynamisches Auf-und-Ab von schnellen, zarten Rhythmen und schwermütigen Bass-Figuren, gepaart mit illustren Klangwolken aus rückwärts gespielten Loops. 

Wolfgang Muthspiel ist auch bekannt für seine kaum zu erratende Coverversionen - er nahm sogar einmal „All My Loving“ von den Beatles in die Mangel. Der siebente Track „Homebody“ könnte locker als eine mit Coolness zerhackte Version eines James-Bond-Soundtracks durchgehen. 

Wer sich jetzt zum Reinhören angestachelt fühlt, dem sei die Homepage von Wolfgang Muthspiels eigener Plattenfirma „Material Records“ empfohlen. Dort gibt’s nämlich zahlreiche Soundsamples.

9 von 10 trimagischen Guitar-Vibes


Von Christoph Andert

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