Max Riese (36) aus Elsbethen nahe Salzburg fuhr die härtesten Radsportrennen auf der ganzen Welt – in Wüsten, über hohe Berge und bei zweistelligen Minustemperaturen. Ein Wildunfall auf seiner Hausstrecke kostete ihn am Dienstagabend das Leben. Die Trauer ist groß.
„Mit unendlich schwerem Herzen ...“ – so beginnt ein langes, berührendes Posting, in dem sich die Ultra-Radsport-Gemeinde in den sozialen Medien von Max Riese verabschiedet. Der Extremradfahrer aus Elsbethen verunglückte am Dienstagabend auf der Rossfeld-Panoramastraße tödlich – die „Krone“ berichtete.
Bei der Abfahrt auf seiner Hausstrecke gegen 20 Uhr kreuzte im Dunkeln ein Hirsch die Straße. Riese konnte dem Wildtier nicht mehr rechtzeitig ausweichen und kollidierte mit voller Wucht. Eine Autofahrerin fand den Sportler regungslos auf der Mautstraße liegen. Sie setzte die Rettungskette in Gang. Vergeblich.
Bei Langdistanz-Rennen am ganzen Globus, durch Wüsten und über hohe Berge konnte Riese in den vergangenen Jahren beachtliche Erfolge erzielen. Just die Panoramastraße an der bayrisch-salzburgischen Grenze, die er schon Hunderte Male hinauf und hinunter gefahren war, wurde für ihn zur letzten Ausfahrt.
Extreme Rennen in Asien und Rekorde am Gaisberg
Der gebürtige Sachse war anderes, wildes Terrain gewohnt. 2021 hatte er in einem „Krone“-Interview von seinen Rad-Abenteuern gesprochen. Eines der größten davon war das „Silk Road Mountain Race“ in Kirgistan. 2000 Kilometer und 30.000 Höhenmeter völlig allein durch teils unwegsames Terrain. Temperaturen im Minusbereich folgen auf Hitze von weit mehr als 40 Grad Celsius.
Erst Ende August kehrte Riese erneut aus Kirgistan zurück. Dort hatte er dieses Mal in knapp unter neun Tagen den zweiten Rang beim Extrem-Radrennen belegt. Zuvor hatte er im schon Mai das „Hellenic Mountain Race“ gewonnen. Tagelang war der 36-Jährige nur auf sich allein gestellt, im Kampf gegen die Uhr und die Konkurrenz, querfeldein durch Griechenland unterwegs.
Größen der Szene zollen Respekt
Vor einem Jahr sorgte er, der sich ganz dem Ultra-Radsport hingegeben hatte, mit einer unglaublichen Leistung für internationale Schlagzeilen. Bei einem sogenannten Dreifach-Everesting-Versuch strampelte er 95-mal auf die Salzburger Gaisbergspitze – am Stück.
Sein Ziel war es, dreimal die Höhe des Mount Everest (8848 Meter) mit dem Fahrrad zurückzulegen. In ganzen 37 Stunden, 37 Minuten und 43 Sekunden legte er 26.553 Höhenmeter und 479,2 Kilometer zurück – weite Teile im Regen und in der Dunkelheit.
Größen der Ausdauer-Radsportszene, wie der Steirer Christoph Strasser oder Soufiane Sehil, zollten ihm Respekt für seine Leistungen. Riese hinterlässt eine Partnerin, sie ist ebenfalls im Ultrasport aktiv, Freunde und Familie. Und eine trauernde Radsport-Gemeinde.
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