Seniorenbund-Chefin

Vorstoß: „40 Beitragsjahre für die volle Pension!“

Wirtschaft
16.09.2026 21:00

Österreichs Pensionssystem steht möglicherweise vor einem historischen Kurswechsel. Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbunds, bezieht eine klare Position: Der Pensionsantritt soll künftig nicht mehr am Geburtsdatum hängen, sondern an den Beitragsjahren.

Korosecs Kernidee: Nur wer 40 Beitragsjahre vorweisen kann, erhält die volle Pension. Wer früher in Pension gehen will, muss Abschläge in Kauf nehmen. „Jemand, der eine Lehre gemacht hat, soll nicht zwingend bis 65 arbeiten müssen“, so Korosec. Umgekehrt sollen jene, die lange studiert haben und erst spät ins Berufsleben eingestiegen sind, entsprechend länger arbeiten müssen.

Aktuell: 15 Beitragsjahre reichen
Derzeit gilt in Österreich: Wer 15 Jahre in die Sozialversicherung eingezahlt hat und das gesetzliche Pensionsalter erreicht, hat Anspruch auf eine Pension. Für Männer liegt dieses Alter bei 65 Jahren, für Frauen wird es schrittweise von 60 auf 65 angehoben.

Korosec hält das für nicht mehr zeitgemäß. Sie will die Mindestbeitragszeit mit Übergangsfristen deutlich ausweiten – auf 40 Jahre für den vollen Pensionsanspruch. Wer z.B. nur 15 Jahre vorweisen kann, bekäme zwar auch eine Rente, aber deutlich weniger.

Dabei räumt sie ein, dass eine solche Reform wegen des Vertrauensschutzes nicht von heute auf morgen kommen kann. Ihr Zeitplan: Die Diskussion soll jetzt starten, wirksam werden soll die Neuregelung ab 2040. Wer also in den 2040er-Jahren in Pension geht, soll nach den neuen Regeln beurteilt werden.

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle spricht sich für 45 Beitragsjahre als Voraussetzung für den ...
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle spricht sich für 45 Beitragsjahre als Voraussetzung für den Pensionsbezug aus.(Bild: Christof Birbaumer)

Korosecs Vorschlag ähnelt einem Vorstoß von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), geht aber nicht so weit. Mattle hatte zuletzt gefordert: 45 Beitragsjahre als Voraussetzung für den Pensionsantritt – frühestens mit 65. Wer diese 45 Jahre nicht erreicht, soll länger arbeiten müssen. Für Eltern sollen Kindererziehungszeiten angerechnet werden.

Für Korosec ist das zu streng
„Nein. Man muss einen Mindeststandard haben. Die 15 Jahre halte ich für durchaus angemessen, dass man überhaupt einen Anspruch auf eine Pension hat. Aber dass jeder 45 Jahre arbeiten muss – ich glaube nicht, dass Mattle das so gemeint hat.“

Flexibilität statt Einheitslösung
Korosec wirbt für mehr Flexibilität. Ihr Beispiel: Ein Lehrling, der mit 15 Jahren beginnt, später Meister wird und sich selbstständig macht – warum soll der früher in Pension gehen können, wenn er 40 Beitragsjahre zusammenhat? Jemand, der bis 30 studiert, soll dagegen länger arbeiten.

„Es wird auf jeden Fall eine Mindestzeit geben und dann eine notwendige Höchstzeit für die Höchstpension. Aber da kann sich der Einzelne dann mehr aussuchen, was er möchte.“

Pensionssystem „sicher“ – aber nur mit Wirtschaftswachstum
Auf die Frage, ob die Pensionen sicher seien, antwortet Korosec klar: „Die Pensionen sind derzeit sicher – ja. Aber immer unter der Voraussetzung, dass wir ein Wirtschaftswachstum haben. Wenn wir das nicht haben, ist jedes System gefährdet, egal wo wir leben.“ Daher sei es so wichtig, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Korosec betont: Sie sei nicht gegen Veränderungen. „Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Da darf sich nie etwas ändern. Wir leben in einer Welt, wo ständig Veränderungen sind.“ Gerade mit Blick auf KI und eine sich wandelnde Arbeitswelt brauche es eine ideologiefreie Diskussion quer durch alle Parteien – mit dem Ziel, das System „enkelfit und seniorenfit“ zu machen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung