Kapitalerhöhung

Energie Steiermark sucht neuen Partner

Steiermark
14.09.2026 12:30

Paukenschlag in der Grünen Mark: Die Energie Steiermark holt einen Investor an Bord. Allerdings wird das Land dafür keine seiner Anteile verkaufen, sondern eine Kapitalerhöhung soll frisches Geld bringen – aus diesem Energie-Deal erhofft man sich mehr als eine halbe Milliarde Euro!

Im Jahr 2023 hat das Land Steiermark knapp 533 Millionen Euro an den australischen Fondsriesen Macquarie überwiesen – seitdem ist man Alleineigentümer der Energie Steiermark. Allerdings hat die Politik (damals ÖVP-Landeshauptmann Christopher Drexler und sein Stellvertreter und SPÖ-Finanzreferent Anton Lang) nie ein Hehl daraus gemacht, dass man nicht auf Dauer 100-Prozent-Besitzer bleiben möchte.

Und jetzt holt man tatsächlich einen neuen Partner an Bord. Bisher ging man allerdings, nicht zuletzt aufgrund der prekären Finanzlage davon aus, dass man sich wieder von Landesanteilen trennen würde – dem ist nun aber nicht so: Vielmehr soll eine Kapitalerhöhung frisches Geld in die Kassen spülen. Damit soll das aktuell größte Investitionsprogramm in der Unternehmensgeschichte rascher abgearbeitet werden – bis 2035 will die Energie Steiermark ja stolze 5,8 Milliarden Euro investieren. „Drei Milliarden davon fließen ins Netz. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir ein resilientes Energiesystem brauchen, um leistbare und stabile Preise zu gewährleisten“, erklärt Energie-Vorstand Werner Ressi.

Die Vorstände der Energie Steiermark Martin Graf und Werner Ressi (re.).
Die Vorstände der Energie Steiermark Martin Graf und Werner Ressi (re.).(Bild: Alex Krischner)

533 Millionen Euro „Minimum“
Vorstandskollege Martin Graf ist überzeugt davon, dass jetzt der richtige Moment für diesen Schritt sei. „Der Zeitpunkt ist sehr attraktiv. Viele Netzbetreiber in ähnlicher Größe machen in Mitteleuropa aktuell einen ähnlichen Schritt.“ In ziemlich genau einem Jahr (3. Quartal 2027) soll der Schritt abgeschlossen sein. In der Konzern-Zentrale am Grazer Leonhardgürtel hofft man auf Angebote von zumindest 533 Millionen Euro, also jener Summe, die 2023 geflossen ist. „Das wäre aber das Minimum“, stellt Graf klar. „Ich habe zuletzt ähnliche Transaktionen gesehen, wo deutlich mehr Geld geflossen ist. Wir suchen jetzt einen Finanzinvestor, keinen strategischen Partner wie früher – nun geht‘s schließlich um Wachstum.“

Bei der Energie Steiermark blickt man dem anstehenden Prozess zur Kapitalerhöhung jedenfalls optimistisch entgegen. „Es würde mich wahnsinnig wundern, wenn keine adäquaten Angebote kommen würden“, ist Aufsichtsratschef Karl Rose überzeugt. „Ich glaube, es wird eher das Gegenteil der Fall sein: Viele Angebote werden kommen und wir müssen dann sehr genau prüfen, welcher Partner am besten zu uns passt.“ Als potenzielle Investoren denkt man etwa an Pensionskassen oder Versicherungen – ob der zu stemmenden Summe wird eine lokale Lösung eher ausgeschlossen. 

Sprechen sich klar für Kapitalerhöhung aus: Manuela Khom und Mario Kunasek.
Sprechen sich klar für Kapitalerhöhung aus: Manuela Khom und Mario Kunasek.(Bild: Christian Jauschowetz)

„Geht nicht darum, Landesbudget zu sanieren“
Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) stellt klar: „Es geht darum, eine sichere und leistbare Energieversorgung in der Steiermark sicherzustellen und keinesfalls darum, das Landesbudget zu sanieren. Es werden keine bestehenden Aktien aus unserem Besitz verkauft.“ Stellvertreterin Manuela Khom verweist noch einmal auf das richtige Handeln der Vorgängerregierung: „Die Entscheidung 2023 war strategisch wichtig. Als Eigentümer haben wir jetzt alles in der Hand.“

Demnächst soll das Vorhaben mit einem Regierungsbeschluss abgesegnet werden, anschließend müssen in der Hauptversammlung der Energie Steiermark die Satzungen noch entsprechend geändert werden.

NEOS hoffen auf mehr Kontrolle statt Postenschacher
Am Montagvormittag wurden dann auch die Klubobleute der Oppositionsparteien über das Vorhaben informiert. Kunasek möchte diese „ordentlich“ einbinden, auch eine aktuelle Stunde im Landtag sei möglich. NEOS-Klubobmann Niko Swatek sieht in der Kapitalerhöhung grundsätzlich eine Chance: „Die Steiermark braucht massive Investitionen in Netze und erneuerbare Energie. Ein privater Partner kann dabei doppelt helfen: Er bringt zusätzliches Geld für notwendige Investitionen und mehr externe Kontrolle in ein Unternehmen, das heute stark von der Landespolitik geprägt ist.“ Er hofft vor allem auf Vertreter des neuen Eigentümers im Aufsichtsrat: „Die Energie Steiermark braucht Fachkompetenz statt parteipolitischem Postenschacher.“ 

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