Bunter Herbst in Baden

Das Festival der britischen Fotokünstler

Niederösterreich
09.09.2026 13:00

Beatles, Rolling Stones, Queen und große Meister der Fotografie: Das Festival La Gacilly rückt Großbritannien noch bis 11. Oktober ins Bild und verwandelt Baden in Europas größte Open-Air-Galerie.

Linksverkehr, Pfund statt Euro, Darts, Geister, eine Monarchie – und spätestens seit Oscar Wilde mit einem Hummer an der Leine an der Themse spazieren gegangen sein soll, wissen wir: Die Briten machen vieles gerne ein bisschen anders. Genau diese Mischung aus Tradition, Eigensinn und Exzentrik steht im Mittelpunkt des diesjährigen Fotofestivals La Gacilly-Baden Photo. Das Motto könnte passender kaum sein: „SO BRITISH!“

In der Kurstadt gibt es feine Fotokunst zu sehen.
In der Kurstadt gibt es feine Fotokunst zu sehen.(Bild: Imre Antal)

Und dafür holt Organisatorisch Lois Lammerhuber einige der ganz Großen der Fotografie vor den Vorhang. Allen voran Sir Don McCullin. Der von Queen Elizabeth II. geadelte Fotograf dokumentierte nicht nur Kriege, Armut und gesellschaftliche Außenseiter – seine Bilder wurden zu einer schonungslosen Anklage gegen Gewalt und Ungerechtigkeit.

Ganz anders, aber nicht weniger britisch, blickt Martin Parr auf seine Heimat. Seit mehr als 50 Jahren hält er seinen Landsleuten mit viel Ironie und einem messerscharfen Auge den Spiegel vor. Auch Tony Ray-Jones, Peter Dench und Josh Edgoose zeigen ein Großbritannien zwischen Tradition, Alltag, Humor und den kleinen Absurditäten des Lebens.

Von den Beatles bis Bowie
Natürlich darf auch „Swinging London“ nicht fehlen. Fotograf Terry O’Neill war mittendrin, als britische Popkultur die Welt eroberte. Vor seiner Kamera standen die Beatles, die Rolling Stones, David Bowie oder Elton John.

Eine österreichische Episode dieser Musikgeschichte steuert Christian Skrein bei. Seine Bilder erinnern an den legendären Besuch der Beatles in Obertauern, wo 1965 Szenen für den Film „Help!“ gedreht wurden. Die Begeisterung hielt sich damals offenbar in Grenzen: Die vier Liverpooler wurden unter anderem mit Transparenten begrüßt, auf denen unmissverständlich „Beatles Go Home!“ zu lesen war.

Auch der Ladies Day in Ascot ist in Baden (Foto-)Thema.
Auch der Ladies Day in Ascot ist in Baden (Foto-)Thema.(Bild: Imre Antal)

Auch Queen-Gitarrist Sir Brian May kommt in Baden eine besondere Rolle zu. Der Rock-Gitarrist ist seit Jahrzehnten begeisterter Stereofotograf und besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen historischer 3D-Fotografie. Im Kaiserhausgarten wird eigens ein Kaiserpanorama errichtet, in dem mit „Stereoscopic Adventures In Hell“ eine außergewöhnliche Rarität aus seiner Sammlung zu sehen sein wird.

Jane Goodall ganz persönlich
Besonders emotional ist der Beitrag des Badener Filmemachers Richard Ladkani. Er setzt der verstorbenen Jane Goodall ein fotografisches Denkmal – nicht aus der Distanz eines Dokumentaristen, sondern aus der persönlichen Perspektive einer langjährigen Freundschaft. Der Titel: „Just me, Jane!“

Modegeschichte trifft wiederum auf Fotografie, wenn Esther Haase Andreas Kronthaler besucht und gemeinsam mit ihm dem Vermächtnis seiner langjährigen Partnerin und Ehefrau, der legendären Designerin Vivienne Westwood, nachspürt.

Durch üppiges Grün lässt sich die interessante Ausstellung „erwandern“.
Durch üppiges Grün lässt sich die interessante Ausstellung „erwandern“.(Bild: Imre Antal)

Mit dabei ist außerdem eine der größten Ikonen der Fotogeschichte: Robert Capa. Zum 200-jährigen Jubiläum der Fotografie zeigt das Festival eine Retrospektive seines außergewöhnlichen Werks - erstmals in Zusammenarbeit mit dem Robert Capa Contemporary Photography Center in Budapest.

Und selbst der britische Nationalsport bekommt seinen Platz: Mike Taylor zeigt mit „The Beautiful Game“ Fußball einmal völlig anders. Seine Kamera richtet sich auf fiebernde Fans in britischen Pubs. Das Kuriose daran: Auf keinem einzigen Bild ist ein Fußballspieler zu sehen.

Wenn ganz Baden zur Galerie wird
Doch La Gacilly-Baden Photo blickt auch weit über die Insel hinaus. Unter dem Titel Water is Life!beschäftigt sich das Festival gemeinsam mit UNESCO-Wasserexperte Helmut Habersack mit dem Zustand der Flüsse unserer Erde und der Frage, wie Wissenschaft helfen kann, geschädigte Gewässer wieder zum Leben zu erwecken.

Bis tief in den Herbst werden damit Parks, Plätze und Gassen Badens erneut zur riesigen Galerie unter freiem Himmel. Und wer bisher glaubte, die Briten seien nur für Tee, Regen und Linksverkehr zuständig, dürfte danach ein deutlich anderes Bild haben.

Very British eben.

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