Ungewöhnlicher Weg

Schulabbrecher forscht jetzt an einer Elite-Uni

Oberösterreich
07.09.2026 10:00

Raphael Suchomel holte erst mit 24 Jahren seine Matura nach, während er gleichzeitig Vollzeit arbeitete. Für sein Studium kam der gebürtige Wiener nach Hagenberg, von wo es nun für ein Praktikum in die USA ging. An der Elite-Uni forscht der junge Mann nun an virtuellen Tieren.

Einen ungewöhnlichen Bildungsweg hat der 27-jährige Raphael Suchomel hinter sich. Der gebürtige Wiener brach insgesamt dreimal die Schule ab. Einen Großteil seiner Kindheit wuchs er bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, die selbst die Schule nicht abgeschlossen hatte und Mindestsicherung bezog.

Mit 24 Jahren machte es Klick
„Wer in einer Familie aufwächst, in der Geld ständig knapp ist, startet unter anderen Bedingungen. Wenn im Winter neue Schuhe zum Problem werden, Nachhilfe nicht leistbar ist oder Jugendliche früh selbst Geld verdienen müssen, bleibt weniger Raum, sich ausschließlich auf Schule und Ausbildung zu konzentrieren“, schildert Suchomel. Doch mit 24 Jahren machte es Klick. Während er Vollzeit arbeitete, holte er in einer Abendschule seine Matura nach – mit ausgezeichnetem Erfolg. Für sein Studium verschlug es ihn nach Oberösterreich.

Schnittstelle von KI und Neurobiologie
Er zog nach Hagenberg, um dort Teil des ersten Jahrgangs des neu geschaffenen Bachelorstudiums Artificial Intelligence Solutions zu werden. Doch Hagenberg war für den Wahl-Oberösterreicher noch nicht genug. Im Zuge seines Praktikums forscht der 27-Jährige aktuell an der renommierten Harvard Medical School in den USA. Suchomel arbeitet an einer Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Neurobiologie.

„Ungerecht und wirtschaftlich kurzsichtig“
Vereinfacht gesagt, bauen die Forschenden virtuelle Tiere im Computer. „Wir nutzen künstliche Intelligenz, um natürliche Intelligenz besser zu verstehen. Das Spannende ist, dass wir den virtuellen Tieren nicht jedes Verhalten vorgeben. Wir schaffen bestimmte Bedingungen und beobachten, welche Strategien sie selbst entwickeln“, erklärt der eifrige Forscher.

Nachdem es der 27-Jährige aus schwierigen Verhältnissen geschafft hat, setzt er sich nun für Leute ein, die genau von dort kommen: „Bildungschancen hängen stark vom Elternhaus ab. Wenn wir genau bei jenen Kindern sparen, deren Startbedingungen ohnehin schwieriger sind, ist das nicht nur ungerecht, sondern auch wirtschaftlich kurzsichtig.“

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