Steirischer Bildhauer

Josef Pillhofers Tochter arbeitet für seine Kunst

Steiermark
07.09.2026 12:28

Josef Pillhofer, 2010 fast 90-jährig verstorben, ist einer der berühmtesten Bildhauer des 20. Jahrhunderts in Österreich. In der Steiermark ist sein Werk noch immer sehr präsent. Ein Besuch bei seiner Tochter in seiner Skulpturen-Halle in Neuberg an der Mürz.  

Stift Admont, Sommer 2026: In der aktuellen Ausstellung stehen Bilder des steirischen Malers Hannes Schwarz Werken Josef Pillhofers gegenüber. Die beiden sind Zeitgenossen mit ähnlichen Lebensdaten von den 1920ern bis in die 2010er-Jahre. Der künstlerische Leiter des Museums, Michael Richter-Grall, hält Pillhofer „für einen ganz bedeutenden Bildhauer, der auch an der Grazer Kunstgewerbeschule als Professor einer Meisterklasse tätig war und damit viele angehende Bildhauer geprägt hat. In Wien war er präsent durch sein Atelier, durch die Pillhofer-Skulpturenhalle in Neuberg an der Mürz ist er vor allem wichtig für die Steiermark.“

Ein Gutteil der Pillhofer-Leihgaben in Admont wurde von Susanna Tabaka-Pillhofer, einer Tochter des Bildhauers, beigesteuert. Anlass für die „Steirerkrone“, sie in der Skulpturenhalle in Neuberg zu besuchen. Das einstige Sägewerk wurde vom Künstler vor gut 20 Jahren erworben, um dort Ordnung im umfangreichen Gesamtwerk schaffen zu können. Rund 80 Skulpturen aus allen Schaffensperioden befinden sich hier. An Materialien vertreten: Holz, Gips, Bronze, Stahlblech, Sandstein, Marmor. Von Entwürfen bis hin zu Bronzegüssen mit sorgfältiger, nachträglicher Patinierung.

Die Johannes-Brahms-Büste von Josef Pillhofer in Mürzzuschlag.
Die Johannes-Brahms-Büste von Josef Pillhofer in Mürzzuschlag.(Bild: Peter Bernthaler)

„Jede Skulptur in der Halle hat eine andere Farbe, das ist schon etwas Spezielles“, sagt Tabaka-Pillhofer. Ihr Vater hat jede Skulptur selbst patiniert. Zum Vergleich: Arbeiten Fritz Wotrubas hätten in Vielzahl eine gleiche Patina, die jeweils vom Gießer erzeugt worden sei. Pillhofer war von 1946 bis 1953 Wotrubas Schüler an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wurde dann an der „Bildenden“ Lehrbeauftragter und Wotrubas Assistent, bezog – gleich anderen prominenten österreichischen Bildhauern wie Hrdlicka oder Avramidis – ein Staatsatelier im Prater beim Trabrennplatz.

In das Mürztal verliebt
Dieses Atelier „war auf Lebenszeit. Das heißt, wenn der Künstler stirbt, muss das Atelier geräumt werden. Mein Vater hat sich circa ab 2005 natürlich Sorgen gemacht, was einmal mit seinem Werk sein wird. Er wurde zwar in Wien geboren, hat seine Kindheit aber in Mürzzuschlag verbracht. Er hat die Gegend hier geliebt, hat sich dann entschlossen, diese Halle zu erwerben und herzurichten – und musste wahnsinnig viele Skulpturen dafür verkaufen,“ so Tochter Susanna im Rückblick.

Pillhofer-Werke weltweit vertreten
Ob Storm King Art Center bei New York, Museum of Modern Art in Boston, Baltimore, Montreal oder Hollywood bei der Familie des berühmten Regisseurs Otto Preminger: Geht es um moderne Skulptur, ist Pillhofer oft in den Sammlungen vertreten. Kein Wunder: 1954 und 1956 war er mit seinen Arbeiten auf der Biennale in Venedig mit dabei. Österreich-weit sind seither seine Werke in allen großen öffentlichen Museen in Wien, Salzburg oder Graz zu finden. Vor dem Liaunig-Privatmuseum in Kärnten fesselt als Erstes eine riesige Pillhofer-Blechfaltung den Blick. 

Ohne pausenlose Arbeit für das Werk ihres Vaters wäre Josef Pillhofer nicht so kontinuierlich im Fokus von Ausstellungen. Sie ist „full time“ beschäftigt, so die Tochter. „Das ist keine Verwaltung, sondern Arbeit mit und an dem Werk des Vaters. Dazu kommt noch Nachpatinieren und Schleifen. Wenn dann finanzieller Raum ist, kann ich wieder Werke gießen lassen, die noch nie nach Originalen gegossen wurden: Mein Vater hat vor seinem Tod noch beschriftet, das oder das lasst gießen.“ Inzwischen ist nach sechsjähriger Arbeit der Gesamt-Bestand an Pillhofer-Skulpturen – es sind mehr als 800! – detailliert erfasst und dokumentiert, einzusehen auf der Pillhofer-Homepage.

Neben der Bildhauerei hat Josef Pillhofer sein ganzes Leben lang mit Hingabe gezeichnet, Landschaften und vor allem Akt. Der zeichnerische Gesamtbestand wartet allerdings noch auf Katalogisierung, wie Susanna Tabaka-Pillhofer ein wenig leidvoll wegen der schwer überschaubaren Arbeit anmerkt. 

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