Seit fünf Jahren gibt es in Tirol jedes Jahr mehr Unfälle auf Schulwegen. Das ist traurige Realität. Besonders tragisch: Im Vorjahr kam auch ein Kind ums Leben. Der Verkehrsclub Österreich und der „Krone“-Schulratgeber geben Tipps für mehr Sicherheit.
Es ist eine alarmierende Bilanz, die der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zwei Wochen vor Schulbeginn in Westösterreich vorlegt. Demnach ist die Zahl der Schulwegunfälle in den vergangenen fünf Jahren in Tirol immer gestiegen. 2025 wurde mit 58 Unfällen und 55 verletzten Mädchen und Buben – davon elf Schwerverletzte – der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre registriert. Besonders tragisch: Ein Kind kam ums Leben.
Rechtzeitig üben und Gefahren entschärfen
Umso wichtiger ist für Familien mit Schulanfängern und Kindern, die die Schule wechseln, eine rechtzeitige Vorbereitung auf die möglichen Gefahren auf den Straßen und ein rechtzeitiges Üben des sichersten Schulweges. Der VCÖ weist aber auch darauf hin, dass Städte und Gemeinden mit Verkehrsberuhigung, mehr Tempo 30 statt 50 und übersichtlichen Straßenübergängen die Verkehrssicherheit für die Kinder deutlich erhöhen können.
Mit dem Pedibus sicher unterwegs
Das Land Tirol unterstützt Initiativen zur Schulwegsicherheit und Verkehrserziehung. Zum Schulstart gibt es beispielsweise sogenannte Pedibusse – also „zu-Fuß-Busse“ -, die vom Klimabündnis Tirol organisiert werden. Dabei werden Schulkinder in den ersten Schulwochen an definierten Haltestellen im Ortsgebiet von erwachsenen Begleitpersonen abgeholt und der Schulweg wird gemeinsam trainiert. Gleichzeitig trägt der Pedibus zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im unmittelbaren Schulumfeld bei, da der motorisierte Verkehr der „Elterntaxis“ reduziert wird. Heuer gibt es rund 30 Pedibusse in Tirol.
Schulweglotsinnen und -lotsen werden in vielen Orten gesucht. Ihr freiwilliges Engagement ist von großem Wert für uns alle.

Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ)
Bild: Christof Birbaumer
„Elterntaxi“ ist keine gute Idee
Vom „Elterntaxi“ raten Verkehrsexperten ab. „Gerade Volksschüler mit kurzen Schulwegen können zu Fuß wichtige Kompetenzen für das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben“, betont Klara Maria Schenk vom VCÖ. Als positiven Nebeneffekt verweist sie auf den gesundheitsfördernden Aspekt der Bewegung.
Wer auf Gefahren- oder Problemstellen auf Schulwegen stößt, sollte diese der Gemeinde sowie der Schuldirektion melden.

VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk
Bild: VincentSufiyan
Wie Gemeinden und Land Schutzwege verbessern
Insgesamt sind Schulwege aber sicherer als Freizeitwege. Dazu tragen laut VCÖ Schülerlotsen, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und erhöhte Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer wesentlich bei. Das Land verweist auf Förderungen für Gemeinden, die Schutzwege verbessern. Orte erhalten bis zu 2500 Euro bzw. maximal 50 Prozent der Kosten für den Neu- oder Umbau von Schutzwegen oder für das Installieren einer normgerechten Beleuchtung. „Seit 2007 wurden mehr als 500 Schutzwege in rund 120 Tiroler Gemeinden verbessert oder die Beleuchtung adaptiert“, erläutert Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ).
Der VCÖ erinnert aber daran, dass Kinder vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen sind und Fahrzeuge sich einem Schutzweg nur so langsam nähern dürfen, dass sie im Fall des Falles rechtzeitig davor anhalten können.
„Krone“-Schulratgeber Manfred Jordan gibt Tipps, wie Eltern mit den Jüngsten den Schulweg bereits vor Semesterstart üben können:
Der erste Schultag ist für Kinder ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Dazu gehört auch, den Weg zur Schule möglichst sicher bewältigen zu können. Eltern sollten deshalb nicht bis zum Schulbeginn warten, sondern gemeinsam mit ihrem Kind frühzeitig üben. Auch wenn – wie in vielen Gemeinden – eigene Schülerlotsen arbeiten. Am besten wird der Schulweg zunächst gemeinsam erkundet. Dabei geht es nicht um die kürzeste Strecke, sondern um die sicherste. Ein Weg mit guten Gehwegen, wenigen Straßenüberquerungen und übersichtlichen Kreuzungen ist meist die bessere Wahl.
Besonders wichtig sind Stellen, an denen Kinder die Straße überqueren müssen. Beim Üben sollten Eltern nicht nur sagen, was das Kind tun soll, sondern ihm die Entscheidungen zunehmend selbst überlassen und so Gefahren selbst einschätzen zu lernen: parkende Autos, Ausfahrten und unübersichtliche Stellen. An einer Kreuzung kann beispielsweise gefragt werden: „Wo würdest du hier stehen bleiben?“ oder „Was musst du jetzt beachten?“
Sinnvoll ist es außerdem, den Schulweg nicht nur bei Sonnenschein zu üben. Regen, Dunkelheit oder dichter Verkehr verändern die Situation. Wer solche Bedingungen gemeinsam erlebt, kann das Kind besser darauf vorbereiten.
Zum Abschluss können Eltern ihr Kind den Schulweg einmal selbst erklären lassen. Es sollte kritische Stellen kennen und wissen, wo es wartet, wohin es schaut und wann es die Straße überquert. Sicherheit entsteht durch Übung, Aufmerksamkeit, zunehmende Selbstständigkeit.
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