War selbst Opfer

Freispruch für vermeintlichen Sexvideo-Erpresser

Oberösterreich
01.09.2026 15:00

Weil er mit einem Betrüger-Paar zwei „Kunden“ ausgenommen habe, musste sich ein in Deutschland geborener Tscheche, der in Linz wohnt, am hiesigen Landesgericht verantworten. Im Laufe der Verhandlung stellte sich aber heraus, dass der Mann selbst nur Opfer des Pärchens geworden war. Das Duo hingegen ist flüchtig.

Zwei junge Oberösterreicher waren in eine klassische „Sex-Falle“ getappt – ein einfacher Fehler, der sie teuer zu stehen kam. Die beiden Männer, 29 und 31 Jahre alt, hatten über eine Online-Anzeige Kontakt zu einer Frau aufgenommen. Nach „heißen“ Chats masturbierten auch beide gemeinsam mit der Frau im Video-Anruf. Mit dieser Aufnahme wurden beide schließlich erpresst – der eine hatte einen Schaden von rund 94.000 Euro, der andere 98.000 Euro.

Alles war ganz anders
Weil das Geld jeweils auf das Konto des vermeintlichen „Bruders“ der Erotik-Anbieterin überwiesen wurde, war der schnell ausgeforscht und musste sich am Landesgericht Linz wegen schwerer Erpressung verantworten – Strafdrohung: bis zu zehn Jahre Haft. Schnell wurde allerdings klar, dass alles ganz anders war, als die Anklage behauptete.

In Haft kennengelernt
Der vermeintliche Bruder war nämlich in Wirklichkeit ein bei uns unbescholtener, in Deutschland geborener Tscheche mit türkischen Wurzeln. Der 31-Jährige hatte in seinem Geburtsland eine Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt und dort einen Mann kennengelernt. „So etwas habe ich überhaupt noch nie gesehen, dieser Herr hat in Deutschland rund 100 Eintragungen – die meisten davon wegen Betrugsdelikten“, so der Verteidiger des Angeklagten.

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In einem Akt von Wahnsinn hat mein Mandant seinen Bekannten sein Konto überlassen und eine SIM-Karte besorgt.

Der Verteidiger des 31-Jährigen

Gemeinsam gefeiert
Dieser habe den 31-Jährigen kurz vor Weihnachten kontaktiert und ihm eröffnet, dass er samt Frau und Kind in Ungarn festsitze. Schlussendlich brach der Mann auf, um das Trio abzuholen, und quartierte es bei sich zu Hause in Linz ein. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin und dem Sohn, den der Tscheche alleine erzieht, feierte das Sextett Weihnachten. „Daran ist noch nichts auszusetzen, aber in einem Akt von Wahnsinn hat mein Mandant seinen Bekannten auch sein Konto überlassen und eine SIM-Karte besorgt“, so der Anwalt.

Paar ist weiterhin aktiv
Beides habe das Betrügerpaar verwendet, um die beiden Opfer abzuzocken. „Die SIM-Karte habe ich später sperren lassen, als mir das alles klar wurde, aber sie verwendet die Nummer weiterhin auf Telegram. Erst am Sonntag war sie damit wieder online“, so auch der Angeklagte. Ende Jänner machte sich das Pärchen nämlich samt ihrem kleinen Sohn aus dem Staub und ist seither für die österreichische Justiz nicht greifbar.

„Es war zwar wirklich nicht schlau, was Sie getan haben, aber einen Vorsatz haben wir nicht erkannt, das haben Sie alles sehr plausibel dargelegt“, so die Richterin – Freispruch von allen Vorwürfen. Für ihn und seinen kleinen Sohn eine große Erleichterung – für die Opfer und ihre Angehörigen ein Schicksalsschlag, denn sie schauen nun höchstwahrscheinlich durch die Finger.

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