Seit Jahren reden wir über den Fachkräftemangel. Seit Jahren hören wir, wie wichtig die Fachberufslehre ist. Und seit Jahren sieht man bei der Finanzierung ein anderes Bild. Wenn es ums Geld geht, wird das schulisch-akademische System groß gedacht – und die berufspraktische Ausbildung läuft nebenbei mit.
Besonders deutlich wird das bei der Verteilung der Mittel: Nur rund 3,7 Prozent des gesamten Bildungskuchens fließen in die Lehrlingsausbildung und die Berufsschulen. Das ist viel zu wenig. Wer die Lehre wirklich stärken will, muss das auch im Budget zeigen. Natürlich braucht Tirol weiterführende Schulen, Wissenschaft, Forschung und Universitäten. Aber die Frage muss erlaubt sein: Passen beim Mitteleinsatz die Verhältnisse noch?
Wer die Lehre wirklich stärken will, muss das auch im Budget zeigen.

David Narr
Bild: Christof Birbaumer
Denn der Bedarf ist eindeutig: Betriebe suchen vor allem Menschen mit berufspraktischer Ausbildung. Der Fachkräfteradar des Instituts der Bildungsforschung (ibw) zeigt ganz klar: Am stärksten fehlen Menschen mit Lehrabschluss – bei Uni-Absolventen ist die Nachfrage deutlich geringer. Langfristig wird sich diese Entwicklung noch verstärken: Es gibt künftig deutlich weniger Menschen mit Lehrabschluss, während die Zahl der Hochschulabsolventen und Maturanten steigt. Die Schere klafft also bald noch weiter auseinander.
Wenn über Jahre der akademische Weg stärker gefördert und sichtbare gemacht wird, braucht man sich nicht wundern, wenn junge Menschen dorthin gelenkt werden.

David Narr
Bild: Christof Birbaumer
Das ist kein Naturgesetz. Trends entstehen dort, wo Geld, Aufmerksamkeit und politische Priorität hinfließen. Wenn über Jahre der akademische Weg stärker gefördert und besser sichtbar gemacht wird, braucht man sich nicht wundern, wenn junge Menschen dorthin gelenkt werden. Ein fairer Schritt wäre, den Anteil für die berufspraktische Ausbildung zu erhöhen – von den genannten 3,7 Prozent etwa auf 10 Prozent.
Damit könnte man viel bewegen: die Lohnnebenkosten bei Lehrlingen senken, Polytechnische Schulen besser ausstatten, Fachberufsschulen und Kompetenzzentren modernisieren, Berufsorientierung ausbauen und Lehrbetriebe besser begleiten sowie die Update-Förderung des Landes höher dotieren. Das wäre kein Luxus, sondern eine Investition in jene Fachkräfte, die unser Land jeden Tag braucht. Denn ohne Fachkräfte bleibt vieles Theorie. Die beste Forschungsstrategie hilft wenig, wenn niemand die technischen Anlagen baut; die beste Energiepolitik bringt wenig, wenn niemand die Wärmepumpe installiert; und die schönste Bauoffensive scheitert, wenn es zu wenige Menschen gibt, die mauern, montieren und reparieren können.
Die gute Nachricht zum Schluss: Es scheint langsam mehr Bewusstsein dafür zu entstehen, dass die Schieflage mittlerweile zu groß geworden ist. Es ist höchste Zeit, die verlorene Balance wiederherzustellen – und das nicht nur in Worten, sondern auch in Euros.
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