„Wer auf Lehrlinge setzt, stellt Ausbilder ab“ – dessen ist sich „Krone“-Kolumnist David Narr, gleichzeitig auch Tirols WK-Fachkräftekoordinator sicher. Was das für Betriebe bedeutet, zeigt er auf.
Wer über Fachkräfte spricht, muss auch über die Finanzierung ihrer Ausbildung sprechen. Genau hier gibt es seit Jahren eine Schieflage: Für das schulisch-akademische System fließen Milliarden. Die berufspraktische Ausbildung hingegen wird zu einem großen Teil von den Betrieben getragen. Dabei ist gerade sie einer der wichtigsten Schlüssel gegen den Fachkräftemangel. In der Tiroler Jugendstudie sagen 40 Prozent der 13- bis 15-Jährigen, dass sie die Fachberufslehre als besten Zukunftsweg sehen. Auch im WKO-Fachkräfte-Radar wird sichtbar, dass sich 60 Prozent des künftigen Ausbildungsbedarfs nur über die Fachberufslehre abdecken lassen.
Umso ernüchternder ist die aktuelle Anpassung der betrieblichen Lehrstellenförderung. Es konnte zwar der befürchtete Kahlschlag verhindert werden – aber das Fördervolumen wird für 2027 und 2028 nicht erhöht, sondern – wie in den vergangenen drei Jahren – bei 280 Millionen Euro eingefroren. Durch die fehlende Valorisierung entsteht schon heuer eine Lücke von rund 75 Millionen Euro, weil zwar nicht die Lehrlingszahlen, aber die Lehrlingseinkommen laufend gestiegen sind. Gleichzeitig wird die Basisförderung für Lehrverhältnisse ab 1. Juli auf 75 % reduziert. Eine volle Basisförderung bleibt pro Lehrbetrieb und Kalenderjahr nur noch einmal möglich. Für die Betriebe wird das System damit komplizierter.
Wer auf Lehrlinge setzt, stellt Ausbilder ab, investiert Zeit, erklärt, begleitet, motiviert und gibt jungen Menschen eine berufliche Perspektive.

David Narr, Tirols WK-Fachkräftekoordinator
Bild: Christof Birbaumer
Das bedeutet: weniger Lehre, mehr Bürokratie. Aber wir brauchen das genaue Gegenteil! Wer auf Lehrlinge setzt, stellt Ausbilder ab, investiert Zeit, erklärt, begleitet, motiviert und gibt jungen Menschen eine berufliche Perspektive. Das passiert nicht auf Knopfdruck und schon gar nicht gratis. Lehrlingsausbildung ist eine enorme Leistung der Betriebe – und sie verdient Rahmenbedingungen, die dieses Engagement erleichtern.
Der wirksamste Hebel wäre eine Senkung der Lohnnebenkosten für Lehrlinge. Das würde Monat für Monat wirken. Für jeden Lehrling.

David Narr, Tirols WK-Fachkräftekoordinator
Bild: Christof Birbaumer
Deshalb ist es Zeit für einen anderen Zugang. Statt auf immer kleinteiligere Fördermechanismen zu setzen, sollten wir Ausbildungsbetriebe direkt und dauerhaft entlasten. Der wirksamste Hebel wäre eine Senkung der Lohnnebenkosten für Lehrlinge. Das würde Monat für Monat wirken. Für jeden Lehrling. Ohne komplizierte Förderregeln, ohne Warten auf Abrechnungen, ohne zusätzliche Bürokratie.
Wenn die Politik von Bürokratieabbau spricht, dann muss sie dort anfangen, wo Betriebe den Unterschied sofort spüren. Nicht mit noch einer Ausnahme. Nicht mit noch einem Formular. Sondern mit einer strukturellen Entlastung, die Ausbildung attraktiver macht und Planungssicherheit gibt. Denn vom Können unserer Fachkräfte ist nicht nur der Wirtschaftsstandort, sondern unsere ganze Gesellschaft abhängig. Wenn zum Beispiel keiner mehr den Wasserschaden repariert, das Auto wartet oder die Fassade dämmt, wird es ungemütlich.
Die gute Nachricht zum Schluss: Noch haben wir in Tirol Ausbildungsbetriebe, die Lehrlinge zu top qualifizierten Fachkräften machen – trotz aller Hürden, steigender Kosten und wachsender Bürokratie. Wenn es die Politik diesen Betrieben leichter macht, kann die berufspraktische Ausbildung auch in Zukunft auf jenem hohen Niveau funktionieren, das Tirol stark macht.
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