Jetzt reagiert Trump

Mysteriöser Besuch: Was CIA-Chef in Moskau wollte

Außenpolitik
26.08.2026 21:40
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine US-Militärmaschine landet in Moskau, an Bord der mächtigste Geheimdienstler der USA. Wenige Stunden später hebt sie wieder ab. Was John Ratcliffe bei seinen Gesprächen mit russischen Geheimdienstvertretern besprochen hat, bleibt geheim – doch die Reise sorgt international für Spekulationen. US-Präsident Donald Trump versucht unterdessen, die Aufregung zu dämpfen.

John Ratcliffe, Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, ist am Dienstag überraschend nach Moskau gereist. Nach Angaben eines mit der Reise vertrauten US-Beamten traf er dort Vertreter russischer Geheimdienste. Worum es bei den Gesprächen ging, ist offiziell nicht bekannt. Die CIA äußerte sich zunächst nicht zu der Reise.

Klar ist hingegen: Es war Ratcliffes erster bekannter Besuch in Russland als CIA-Chef unter Präsident Donald Trump. Die Reise fällt in eine Phase, in der die von den USA unterstützten Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges ins Stocken geraten sind.

Trump spricht von „Routinebesuch“
Trump selbst bemühte sich am Mittwoch, die Bedeutung der Reise herunterzuspielen. In einem Telefoninterview mit dem konservativen Radiomoderator Glenn Beck bezeichnete er den Besuch als „halbwegs routinemäßig“. Er wolle niemanden „enttäuschen“, sagte Trump mit Blick auf die zahlreichen Spekulationen. „Wir würden gerne sehen, dass der Krieg mit der Ukraine endet“, erklärte der US-Präsident.

In der Frachtmaschine hatte der CIA-Chef offenbar auch die gepanzerten Fahrzeuge des US-Konvois ...
In der Frachtmaschine hatte der CIA-Chef offenbar auch die gepanzerten Fahrzeuge des US-Konvois im Gepäck.(Bild: AFP/FAROOQ NAEEM)

Zugleich stellte er klar, dass Ratcliffe nicht nach Moskau geschickt worden sei, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor einem Angriff auf NATO-Gebiet zu warnen. Auch habe es bei der Reise nicht darum gegangen, Russland um Hilfe bei einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu bitten. Er ist der Chef der CIA, und er ist nicht wegen irgendeiner der Dinge dort, die Sie genannt haben“, sagte Trump. Zugleich ließ er eine Hintertür offen: „Jetzt könnte etwas dabei herauskommen.“

Putin wurde über Gespräche informiert
Der Kreml bestätigte die Reise am Mittwoch. Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Ratcliffe habe Kontakte mit russischen Geheimdiensten gehabt. Ein Treffen mit Putin habe es dagegen nicht gegeben. „Ich kann Ihnen nur sagen, dass es Kontakte über die Geheimdienste gegeben hat“, sagte Peskow. Putin werde selbstverständlich „unverzüglich über alles auf dem Laufenden gehalten“.

Peskow bezeichnete die Kontakte zwischen den Geheimdiensten als positiv. Gleichzeitig sei es zu früh, um abzuschätzen, ob die Gespräche dazu beitragen könnten, die Beziehungen zwischen Washington und Moskau aus ihrer derzeitigen „tiefen Krise“ zu führen.

USA baten Ukraine um Pause bei Angriffen
Besonders ungewöhnlich war der Besuch auch deshalb, weil die USA die Ukraine nach Angaben amerikanischer Medien vorab über die Reise informiert haben sollen. Kiew sei demnach gebeten worden, Drohnen- und Raketenangriffe auf Moskau und andere Städte im Norden Russlands von Montag bis Mittwoch auszusetzen.

Während Ratcliffes Aufenthalt blieb es in Moskau tatsächlich ruhig. Ein US-Militärflugzeug vom Typ Boeing C-17 Globemaster III war zuvor in Moskau gelandet. Laut Flugdaten startete die Maschine ursprünglich von der Joint Base Andrews im US-Bundesstaat Maryland und flog über Riga nach Moskau. Nach rund vier Stunden verließ sie die russische Hauptstadt wieder.

Was wollte Ratcliffe in Moskau?
Offiziell gibt es dazu bislang keine Antwort. Experten und Medien nannten deshalb mehrere mögliche Erklärungen. Eine Möglichkeit ist demnach, dass Ratcliffe Moskau vor einer weiteren Eskalation im Ukraine-Krieg warnen sollte. Hintergrund sind Berichte über eine mögliche neue russische Mobilmachung nach den für September geplanten Parlamentswahlen. Der Kreml weist diese Darstellung zurück.

Auch mögliche russische Aktivitäten gegen NATO-Staaten wurden als Grund für die Reise genannt. US-amerikanische und europäische Geheimdienste haben laut den vorliegenden Berichten vor Szenarien gewarnt, die von Cyberangriffen bis zu einem begrenzten militärischen Vorstoß reichen könnten.

Eine weitere mögliche Rolle des CIA-Chefs könnte der festgefahrene Friedensprozess sein. Die Reise könnte dazu gedient haben auszuloten, ob Moskau tatsächlich zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist.

Auch Iran könnte Thema gewesen sein
Ratcliffe hatte bereits im März vor einem Ausschuss des US-Senats erklärt, der Iran habe Russland um Geheimdienstinformationen über US-Militäranlagen im Nahen Osten gebeten. Deshalb wird auch vermutet, dass die engen Beziehungen zwischen Moskau und Teheran bei den Gesprächen eine Rolle gespielt haben könnten.

Hinzu kommen mögliche Fragen rund um Gefangene. Die CIA war in der Vergangenheit an der Freilassung in Russland inhaftierter US-Bürger beteiligt. Auch deshalb wurde spekuliert, ob ein möglicher Gefangenenaustausch Thema der Gespräche gewesen sein könnte.

Letzter CIA-Besuch endete mit Warnung
Besonders brisant ist der Besuch mit Blick auf die jüngere Geschichte. Im November 2021 war der damalige CIA-Chef William Burns nach Moskau gereist und hatte Putin vor einem großangelegten Angriff auf die Ukraine gewarnt. Nur wenige Monate später, am 24. Februar 2022, begann Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung