„Grobe Fahrlässigkeit“

Ermittlungen zu Epstein: Frankreich verklagt

Ausland
26.08.2026 21:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der französische Staat ist verklagt worden. Das ehemalige Model Ebba Karlsson wirft Frankreich „grobe Fahrlässigkeit“ bei den Ermittlungen zum Epstein-Skandal vor. 

Wegen zögerlicher Ermittlungen im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre hat das ehemalige Model Ebba Karlsson den französischen Staat verklagt. Karlsson wirft der französischen Justiz „grobe Fahrlässigkeit“ vor, weil diese den französischen Modelagenten Daniel Siad nicht verhört hat, dem sie Vergewaltigung vorwirft. Siad, mutmaßlicher Helfer des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, war im Juli in der Nähe von Paris tot aufgefunden worden

Die Klage wurde am 21. August eingereicht, wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch erfuhr. Karlssons Anwälte sprechen von schuldhaftem Unterlassen, da Siad weder festgenommen noch angehört worden war. Sie fordern 50.000 Euro Schadensersatz für ihre Karlsson. Die Schwedin hatte Anfang des Jahres Anzeige gegen Siad erstattet. Nach eigener Aussage hatte sie ihn auf einem Foto in den Epstein-Akten wiedererkannt. Karlsson warf ihm vor, sie in den 90er-Jahren in Frankreich vergewaltigt zu haben. Siad wies die Vorwürfe zurück.

Sexualstraftäter Jeffrey Epstein

  • Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte US-Investor Jeffrey Epstein soll mehr als 1000 Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben.
  • Er war 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt worden.
  • 2019 wurde er wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen erneut festgenommen.
  • Wenig später wurde Epstein tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

Die Pariser Staatsanwaltschaft erklärte nach Siads Tod, eine von ihr angeordnete Telefonüberwachung habe keinen Anlass geboten, den Modelagenten sofort festzunehmen.

Über tausend Mal in Epstein-Akten genannt
Gegen Siad hatten insgesamt fünf Frauen Anzeige wegen Vergewaltigung und Menschenhandels erstattet. Sein Name taucht mehr als tausend Mal in den Epstein-Akten auf; zahlreiche Dokumente stellen ihn als einen bezahlten Mädchenjäger im Auftrag Epsteins dar. In zahlreichen schriftlichen Mitteilungen pries er junge Mädchen und Frauen an, schickte Fotos von ihnen und schlug Epstein Treffen vor. Er erwähnte dabei mehrfach Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. 2018 wies Epstein seinen Buchhalter an, Siad ein Darlehen in Höhe von 25.000 Dollar zu gewähren.

Weitere Klage gegen Frankreich
Neben Karlsson reichte auch eine Vereinigung potenzieller Epstein-Opfer Klage gegen den französischen Staat ein. Sie teile die „Wut aller Opfer“, betonte die Gruppe „Innocence en danger“. Sie warf der französischen Justiz „Langsamkeit“ im Fall Epstein vor und verwies auf zahlreiche Verbindungen, die dieser nach Frankreich hatte. Epstein war regelmäßig nach Paris gereist und hatte enge Beziehungen zu mehreren Modelagenten.

Nach der Veröffentlichung von Millionen Dokumenten im Zusammenhang mit Epstein hatte die Pariser Staatsanwaltschaft Anfang 2026 angekündigt, Ermittlungsrichter einzusetzen, um mögliche Straftaten mit Bezug zu Franzosen zu prüfen.

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