Wii-U-Kracher

Action-Hit aus Japan: “Bayonetta 2” im Test

Spiele
11.11.2014 10:41
Wenn es Nintendos Wii U bislang an einer Sache gemangelt hat, dann an hochkarätigen Action-Games. Da kommt es umso gelegener, dass die Konsole mit dem Touchscreen-Gamepad mit "Bayonetta 2" nun eines der bislang besten Actionspiele des Jahres habhaft wurde. Im Test überzeugte die Japano-Prügelei mit einem äußerst geschmeidigen Kampfsystem, sich im Spielverlauf immer weiter aufbauschender Action und einer ungewöhnlichen Titelheldin.

Wer sich von einem Actionspiel möglichst viel Realismus erwartet, sollte einen großen Bogen um "Bayonetta 2" machen. Dass man es hier mit einer zutiefst fantastischen Welt zu tun hat, wird dem Spieler nämlich bereits beim Intro klar. Das zeigt die Hauptdarstellerin – ihres Zeichens Hexe mit Superkräften - beim genussvollen Shopping mit ihrem Kumpan Enzo, bevor die Einkaufstour jäh durch tief fliegende Düsenjets unterbrochen wird.

Bayonetta gegen fiese Engel
Es folgen fiese Engel, die der kämpferischen Hexe ans Leder wollen, und schon findet sich der Spieler mitten im bunten Getümmel wieder. Auf herumfliegenden Jets vermöbelt Bayonetta mit Händen und Beinen die fantasievoll designten Feinde, ballert mit insgesamt vier Pistolen – zwei davon sind in ihre Stöckelschuhe integriert – um sich und nutzt ihre Hexenkräfte, um Gegnern mit den besonders kraftvollen Schlägen einer geheimnisvollen Verbündeten aus einer anderen Dimension den Garaus zu machen.

Kaum scheint die erste Welle Gegner gebannt, kommt ein noch größeres Monstrum, das Bayonetta nur durch die Beschwörung einer gewaltigen dämonischen Kreatur und mithilfe ihrer Freundin Jeanne in Schach halten kann. Wie es der Zufall will, wendet sich das Monster gegen seine Herrin, entfacht einen noch spektakuläreren Kampf als die ersten Angreifer – und reißt bei seinem Ableben Bayonettas Freundin Jeanne mit sich in die Unterwelt. Oder zumindest ihren Geist, Jeannes lebloser Körper verbleibt nämlich in der realen Welt. Und hier beginnt die Story von "Bayonetta 2", in der sich die Protagonistin sprichwörtlich durch Himmel und Hölle kämpft, um die gefangene Seele ihrer Freundin zu befreien.

In "Bayonetta 2" geht's immer noch größer
Die Schilderungen aus dem Intro legen es schon nahe: Bei ihrem Abenteuer stößt Bayonetta auf immer fantastischere und gigantischere Gegner, die zum Teil in bester "Devil May Cry"-Manier, auf deren gewaltigen Körpern herumlaufend, Körperteil für Körperteil bekämpft werden müssen. Zwischendrin vermöbelt Bayonetta massenhaft Kanonenfutter und baut ihre Hexenkräfte aus, um Jeannes Seele letztlich aus ihrem Gefängnis befreien zu können.

Die große Stärke des Spiels ist, immer dann, wenn der Spieler glaubt, der letzte Kampf sei schon spektakulär gewesen, noch eins draufzusetzen. War der letzte Gegner so groß wie ein LKW, ist der nächste halt so groß wie ein Haus, dessen Nachfolger so groß wie ein Wolkenkratzer und dessen Nachfolger ebenso groß und noch dazu besonders hässlich. Das Aneinanderreihen von Übertreibungen und Superlativen als zutiefst japanisches Stilmittel wird in "Bayonetta 2" zelebriert wie schon lange in keinem Spiel mehr.

Dass nebenbei keine Gelegenheit ausgelassen wird, die Protagonistin in zweideutigen Posen oder mit besonders knapper Kleidung zu zeigen, reiht sich in diese völlige Ignoranz gegenüber jeglichem Maß und Ziel ein. Da überrascht es nicht mal mehr, dass Bayonettas knappe Kluft aus ihrem magischen Haar geformt ist und bei Einsatz von Zauberkräften gerne noch knapper wird als üblich. Man könnte den "Bayonetta"-Machern fast Sexismus vorwerfen, aber letztlich halten wir die sexy Inszenierung der Protagonistin für ein Stilmittel, wie es auch die immer absurderen Kämpfe sind.

Butterweiche Kämpfe mit Hexen-Kräften
Apropos Kämpfe: Die spielen sich in "Bayonetta 2" butterweich. Die Hexe mit den Pistolen-Stöckelschuhen teilt mit Armen und Beinen Schläge aus, die sich zu verheerenden Kombos verbinden lassen. Gelungene Ausweichmanöver aktivieren einen Zeitlupenmodus, in dem Bayonetta größeren Schaden unter ihren Feinden anrichtet. Zwischendurch wird auf Gegner geballert oder eine Kombo mit ein paar Schüssen aus der Kanone aufgefettet – und hie und da darf der Spieler einem besiegten Gegner auch besonders mächtige Waffen abnehmen.

Quasi als Krönung des ganzen Spektakels kann Bayonetta den sogenannten "Climax"-Modus aktivieren. Der erfordert Magiepunkte, die zuvor beim normalen Kämpfen gesammelt werden, und tut nichts Geringeres, als das Tor zu einer anderen Dimension zu öffnen, aus der sich harte Schläge der gigantischen Kreatur Lady Butterfly über Bayonettas Gegner ergießen. Klingt schräg, sieht aber gut aus und macht ordentlich Laune.

Für Tiefgang abseits der Kämpfe sorgt ein einfaches Skill-System, mit dem Bayonetta ihre Fähigkeiten nach und nach ausbauen kann. Notwendig sind dafür gebrochene Hexenherzen, die in den einzelnen Levels des Spiels verteilt sind. Nebenbei gibt's auch noch andere Dinge zu entdecken, beispielsweise Heil-Lutscher und sonstige Power-ups. Weitere Aufwertungen kann die namensgebende Hexe auch in einem immer mal wieder per Portal erreichbaren Bereich namens "Tor zur Hölle" erwerben.

Gelungene Optik, gute Vertonung
Optisch ist "Bayonetta 2" ein Hingucker geworden. Das Game wartet mit weitläufigen, bunten Umgebungen auf, die mit viel Liebe zum Detail designt wurden. Dass die Charaktere in Comic-Optik daherkommen, kaschiert gut, dass die Wii U nicht die gleiche rohe Hardware-Power mitbringt wie die Konkurrenzkonsolen von Sony und Microsoft. Licht- und Explosionseffekte sehen ausgezeichnet aus und sogar realitätsnahe Reflexionen im Wasser sind im Game enthalten. "Bayonetta 2" mag letztlich zwar nicht mit Grafik-Hits wie Sonys "Infamous: Second Son" mithalten können, es ist aber auch alles andere als hässlich und scheint die Power der Wii U sehr geschickt auszunutzen.

Akustisch haben wir wenig an "Bayonetta 2" auszusetzen. Der fröhliche Soundtrack untermalt die gigantomanischen Kämpfe gegen immer größere Gegner toll, die Soundeffekte – Tritte, Schussgeräusche, Explosionen – sind ebenfalls gut getroffen. Und auch an den Sprechern von Bayonetta und ihren Freunden haben wir nichts auszusetzen. Einen Schönheitsfehler gibt es dann aber doch: Die teils etwas wirre Handlung wird über weite Strecken in Comicform statt mit "echten" Zwischensequenzen erzählt. Das nimmt dem Game ein wenig an Schwung, auch wenn die Comics gut gemacht sind.

Dass sich "Bayonetta 2" äußerst geschmeidig spielt, liegt vor allem an seiner unkomplizierten Steuerung. Spieler haben die Wahl, ob sie das Game ganz klassisch mit dem Gamepad spielen und mit verschiedenen Buttons unterschiedliche Attacken ausführen oder ob sie – gut geeignet für Einsteiger – Bayonettas Gegner durch Berührungen des Touchscreen-Gamepads der Wii U vermöbeln. Im Test erwiesen sich beide Steuerungsmethoden als zielführend, das intensivere Spielerlebnis bietet aus unserer Sicht aber dann doch die klassische Gamepad-Steuerung.

Fazit: Die Wii U mag keinen unerschöpflichen Fundus guter Actionspiele ihr Eigen nennen, mit "Bayonetta 2" kann sie aber zumindest eines der besten Actionspiele des Jahres für sich verbuchen. Vorausgesetzt, man kann der typisch japanisch sehr abgedrehten Handlung, der ungewöhnlichen Protagonistin und der bunten Spielwelt voller Superlative etwas abgewinnen, findet man mit "Bayonetta 2" ein toll spielbares Kampf- und Schnetzel-Abenteuer, das dank seiner schrägen Ideen lang in Erinnerung bleibt. Für Wii-U-Besitzer mit einem Faible für Action ist es klar empfehlenswert. Unser Tipp: Im Falle eines Kaufs gleich zur "Bayonetta 1+2"-Box greifen, die auch den sehr guten Vorgänger als Wii-U-Version enthält.

Plattform: Wii U
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 9/10

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