Manche Freaks lassen sich die Marke ihres Autos tätowieren. In Kalifornien wollen zwei Mercedes-Fahrer nun unfreiwillig etwas Ähnliches bekommen haben: eine Art Brandzeichen durch den Abdruck eines angeblich zu heißen AMG-Logos.
Die beiden behaupten, das Metalllogo im Sitz habe sich in der Sonne so stark erhitzt, dass es ihnen Brandverletzungen zugefügt hat. Jetzt landet der Fall vor Gericht.
Gabriel Lahijani und Karendeep „Karina“ Bath haben Anfang August vor einem Bundesgericht in Kalifornien eine Sammelklage gegen Mercedes-Benz USA beantragt. Ihr Vorwurf: Das erhabene AMG-Emblem aus Metall im oberen Bereich bestimmter Vordersitze könne sich bei Sonneneinstrahlung so stark erhitzen, dass bei Hautkontakt Verbrennungen drohen.
Lahijani schildert in der Klage einen Vorfall vom 31. Mai. Sene neue AMG-E-Klasse hatte in Los Angeles in der Sonne gestanden. Als er sich mit einem Ruderleiberl bekleidet hinters Steuer setzte, berührte sein oberer Rücken kurz das Metalllogo. Laut Klageschrift folgten sofort starke Schmerzen. Ein Hautarzt dokumentierte später Verbrennungen ersten und zweiten Grades – mit einer Kontur, die im medizinischen Bericht sinngemäß als vom AMG-Schriftzug gezeichnet beschrieben wurde.
Rund sechs Wochen später soll es Karendeep Bath ähnlich ergangen sein. Sie trug ein ärmelloses Oberteil, als ihre Schulter das aufgeheizte Logo berührte. In den folgenden Tagen habe sich auf der Haut ein dunkler Abdruck in Form eines Teils des AMG-Emblems entwickelt.
Dass Metall in einem Auto, das in der kalifornischen Sonne steht, heiß wird, ist zunächst einmal keine verblüffende technische Erkenntnis. Die juristisch entscheidende Frage ist eine andere: Darf Mercedes ein massives Metallteil genau dort platzieren, wo Rücken, Schulter oder Nacken eines Insassen mit hoher Wahrscheinlichkeit damit in Berührung kommen?
Die Kläger sagen nein. Sie werfen Mercedes einen Konstruktionsfehler sowie mangelnde Warnung vor und argumentieren, das Unternehmen hätte die Gefahr kennen müssen. Das Logo verfüge weder über einen Hitzeschutz noch werde in der Fahrzeugdokumentation davor gewarnt, dass es sich im abgestellten Auto derart aufheizen könne. Diese Vorwürfe sind allerdings bislang nicht gerichtlich bestätigt.
Darum geht es in der Klage
Und es geht den beiden nicht nur um ihre eigenen Verletzungen. Sie wollen die Klage auf weitere Kunden in Kalifornien ausweiten, die einen Mercedes-AMG mit entsprechendem Metalllogo im Fahrer- oder Beifahrersitz gekauft oder geleast haben. Gefordert werden unter anderem Ersatz medizinischer Kosten und Schadenersatz für körperliche und seelische Folgen. Außerdem soll Mercedes nach dem Willen der Kläger die Kosten übernehmen, um die Metalllogos aus betroffenen Fahrzeugen zu entfernen oder zu ersetzen.
Wie groß der Kreis möglicher Fahrzeuge tatsächlich ist, bleibt derzeit offen. Die öffentlich zugänglichen Berichte nennen keine vollständige Modellliste und auch keine Zahl potenziell betroffener Autos. Sicher genannt wird lediglich die AMG-E-Klasse eines Klägers. Deshalb wäre es voreilig, daraus bereits ein generelles Problem aller aktuellen AMG-Modelle abzuleiten.
Auch eine offizielle technische Bewertung liegt bisher nicht vor. Mercedes-Benz hatte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht öffentlich geäußert. Damit steht Aussage gegen Aussage, und erst das weitere Verfahren wird zeigen, ob aus einem kurios klingenden Fall tatsächlich ein relevantes Konstruktionsproblem wird.
Als echtes Brandzeichen für Fans taugt der Abdruck übrigens nicht: Er taucht natürlich in Spiegelschrift am Körper auf.
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