Lucy Schmidl eröffnete kürzlich ihr eigenes Handwerksgeschäft in Wiener Neustadt. Sättel macht sie jedoch heute kaum mehr. Um ihre Fähigkeiten zu perfektionieren, zog sie zwei Jahre lang mit ihrem Wohnmobil „Elsa“ durch Europa, um von anderen Sattlern zu lernen.
„Ich war zwar eine gute Schülerin, aber das Sitzen in der Schule war nie so meins“, lacht die quirlige 29-Jährige auf die Frage, warum man Sattlerin wird. Schon mit neun Jahren begann sie mit dem Reiten. „Ich war jeden Tag im Stall, das war mein Leben“, so Lucy. Deshalb beschloss sie, in Deutschland eine Sattlerlehre zu absolvieren.


Drei händisch angefertigte Sättel für Privatkamele
Fernweh und die Idee, weitere Erfahrungen in ihrem Beruf zu sammeln, brachte sie dann auf die Idee, ihr Wohnmobil „Elsa“ zu „satteln“ und damit auf eine Art „Walz“ zu fahren. Was sie dann auch für zwei Jahre tat. Angefangen in Deutschland landete die damals 24-jährige Sattlergesellin dann bald in Portugal. Dort wurde sie von einem deutschen Ehepaar angesprochen und gebeten, Sättel für ihre drei Privatkamele anzufertigen. Was sie dann auch für die nächsten fünf Monate tat.
Zurück in Österreich – um zahlreiche Erfahrungen reicher – stürzte sich Lucy dann in die Selbstständigkeit. Seit drei Monaten führt sie ihr eigenes Geschäft mitten in der Wiener Neustädter Innenstadt. Und sie liebt es, dort zu arbeiten.
Von einem PS auf über 100 PS umgesattelt
Ihre „Pferdephase“ hat Lucy mittlerweile hinter ihr. Jetzt hat sie sich auf Autos spezialisiert. Sie überzieht Fahrzeug- und Motorradsitze, Lenkräder und Schaltsäcke, oder tauscht auch gleich den ganzen Himmel eines Autos aus.
Zu ihren bisher coolsten Aufträgen zählt ein Ford Mustang Baujahr 1967: Einen Monat lang arbeitete sie an roten Ledersitzen, Teppich, Armaturenbrett und diversen Details. Auch ein Maserati landete bereits auf ihrem Werkstatt-Tisch.
Und wer lieber eine Tasche statt einen neuen Autositz möchte, ist ebenfalls richtig: Lucy fertigt handgenähte Ledertaschen an.
Nach Jahren des Unterwegsseins ist Lucy Schmidl nun also angekommen. Mit eigener Werkstatt, jeder Menge Erfahrung im Gepäck und vielleicht schon bald mit einem Lehrling an ihrer Seite.
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