Ganze vier Stunden lang wurde eine 78-Jährige hin und her transportiert, ehe notwendige Operation durchgeführt wurde. „Meine Mutter war vorher noch voll fit“, sagt der Sohn der Betroffenen nun.
Ein schwerer Schlaganfall, ein Krankenhaus nur wenige Minuten entfernt in Wien – und dennoch endete die Rettungsfahrt einer älteren Dame schlussendlich erst in St. Pölten. „Am 10. Juni traf gegen 23 Uhr die Rettung bei uns in Gerasdorf bei Wien ein“, schildert Sohn Christian T. den Vorfall.
Gerasdorf liegt zwar schon in Niederösterreich, die Wiener Klinik Floridsdorf ist mit dem Auto aber nur zehn Minuten entfernt. Wie Christian T. von den Rettungskräften erfuhr, wurde in Florisdorf auch sofort nachgefragt. „Zu diesem Zeitpunkt war aber in dieser Klinik kein Stroke-Bett frei“, heißt es vom Wiener Gesundheitsverbund. Und: „Es wird im Notfall sicher niemand aus Niederösterreich weggeschickt, nur weil er keine Wiener Adresse hat.“
Bei Notfällen wie einem Schlaganfall zählt jede Minute! Dieser Vorfall ist ein neuer Tiefpunkt in der Gastpatienten-Debatte zwischen NÖ und Wien.

Richard Punz, FPÖ NÖ Gesundheitssprecher
Bild: FPÖ NÖ
Daraufhin eilte der Rettungswagen weiter nördlich ins Landesklinikum Mistelbach. Eine Autofahrt, die normalerweise auch nur 30 Minuten dauert. „Aber erst um 1.45 Uhr wurde ich informiert, dass meine Mutter erneut verlegt werden muss“. Im Gehirn von Frau T. lag ein akuter Gefäßverschluss vor. „Weil sie aber zusätzlich blutverdünnende Medikamente eingenommen hat, kommt eine medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels nicht infrage“, wurde dem Sohn in der Nacht mitgeteilt.
Auch in Mistelbach abgewiesen
Zu diesem Zeitpunkt waren Stunden seit dem Auftreten der ersten Symptome vergangen. Das Gerinnsel müsste mechanisch im Rahmen einer Operation aus dem Gehirn entfernt werden. „Die Akutbehandlung liegt nicht im Leistungsspektrum des LK Mistelbach und konnte zu diesem Zeitpunkt nur im Unfallkrankenhaus St. Pölten durchgeführt werden“, betont die Landesgesundheitsagentur. Erst um 3 Uhr Früh konnte bei Frau T. endlich die notwendige Operation durchgeführt werden.
„Mama war voll die Checkerin“
„Meine Mutter wird jetzt wohl ein Pflegefall bleiben. Vorher war sie topfit – eine richtige Checkerin – die alles ohne Probleme alleine erledigen konnte“, ist Sohn Christian erschüttert. Mitten in der Gastpatienten-Debatte findet FPÖ-Gesundheitssprecher Richard Punz fraglich, warum nicht sofort ein anderes Wiener Krankenhaus angefahren wurde. Das AKH Wien sei immerhin auch nur 30 Minuten entfernt gewesen. „Ich möchte den Einsatzkräften keine Schuld zuweisen“, sagt Christian T. „Ich will darauf aufmerksam machen, und wissen, ob es bei weniger Fahrtzeit anders gekommen wäre.“
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