Steirische Obstbauern kämpfen mit Dürre und Hitze. Künftig wird Apfelanbau ohne Bewässerung kaum noch möglich sein.
Kaum eine Sparte der heimischen Landwirtschaft hat so sehr mit Klimakapriolen zu kämpfen wie der Obstbau, vor allem die symbolträchtige Leitkultur: der steirische Apfel. Waren es in den letzten Jahren vor allem Spätfröste und sommerliche Hagelunwetter, die den Bauern zu schaffen machten, hat heuer mit der extremen Trockenheit und Hitze eine weitere Bedrohung ihre Zähne gezeigt. In der Oststeiermark (Standort Gleisdorf) fielen im Juli und August bis dato nur 38 Liter Regen pro Quadratmeter. Im langjährigen Schnitt waren es 230 Liter in den beiden Monaten.
Früchte sind kleiner, Bäume teils abgestorben
Diese beispiellose Niederschlagsarmut hinterlässt deutliche Spuren in den Apfelplantagen. „Die Früchte sind teilweise massiv im Wachstum zurückgeblieben und haben optische Hitzeschäden. Zudem sind einzelne Bäume sogar abgestorben“, erklärt Landwirtschaftskammer-Boss Andreas Steinegger bei einem Lokalaugenschein am Obsthof Singer im oststeirischen Untertiefenbach.
Man rechnet heuer in der Steiermark mit einer Apfel-Erntemenge von rund 90.000 Tonnen – um gut ein Drittel weniger als im Vorjahr, da waren es 138.000 Tonnen. Dennoch gibt es zwei gute Nachrichten: „Die Versorgung in Österreich können wir damit sichern“, so Steinegger. Immerhin liegen drei Viertel aller österreichischen Apfelanbauflächen in der grünen Mark. Und: „Durch die vielen Sonnenstunden sind die Äpfel besonders aromatisch und nährstoffreich.“
Heuer reichen sogar Speicherteiche kaum aus
Klar ist aber auch: Ohne Bewässerungsanlagen würde die Lage noch weit düsterer aussehen. Am Obsthof der Familie Singer gibt es bereits seit 50 Jahren einen Speicherteich, seit 2018 kamen zwei neue Wasserspeicherbecken dazu. Damit ist sowohl Frostschutzberegnung im Frühjahr als auch Tröpfchenbewässerung in Trockenperioden möglich. Bei der heurigen Rekordtrockenheit stößt man aber auch damit an die Grenzen: „Die Teiche sind fast leer, wir müssen mit jedem Tropfen Wasser haushalten“, schildert Landwirt Josef Singer. Man müsse laufend die Bäume und Böden im Blick haben und beim bewässern Prioritäten setzen. „Junge Bäume, die noch nicht so tief wurzeln, schaffen so einen Sommer ohne Bewässerung nicht.“
Das kostet aber auch. Der Investitionsaufwand für Bewässerungsanlagen ist enorm. „Ohne Förderung würde es nicht gehen“, sagt Singer. Das Land Steiermark hat vor rund zwei Jahren ein neues Förderprogramm aufgelegt, bei dem 65 Prozent der Kosten für solche Anlagen übernommen werden. Knapp 200 Betriebe haben seither über acht Millionen in Beregnungssysteme investiert.
Die Speicherbecken mit Frostberegnung und Bewässerung sichern unsere Ernte. Das gesammelte Wasser wird im Kreislauf geführt.

Obstbauer Josef Singer
Bild: Christian Jauschowetz
Bewässerung: Land gewährt weiter Förderung
„Diese Förderung wird es trotz aller budgetären Nöte auch nächstes Jahr wieder geben“, sagt Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer. Denn Experten sind sich einig: Ohne Bewässerungsanlagen wird es im Apfelanbau in der Steiermark künftig kaum mehr gehen. Etwa ein Drittel aller steirischen Apfelkulturen können laut Kammer inzwischen frostberegnet und bewässert werden. Auf allen Betrieben ist das freilich aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten gar nicht möglich – und es erfordert viel Geld und Aufwand. In einer Branche, die neben dem Klimawandel mit zahlreichen anderen Herausforderungen kämpft, kein leichtes Unterfangen.
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