Das Trinkwasser in Zirl ist offenbar noch immer so verunreinigt, dass die Tiroler Gemeinde von einer Nutzung ohne vorheriges Abkochen abrät. Sie hat sogar eine Verordnung erlassen, die Strafen von bis zu 2000 Euro vorsieht. Völlig unklar bleibt, wie das kontrolliert werden soll. Nicht die einzige Ungereimtheit in diesem Fall!
Dem Zirler Trinkwasser kann laut Analyseinstitut noch immer keine hundertprozentige Trinkwasserqualität attestiert werden. Daher bleibe das Gebot zum Abkochen des Trinkwassers bis auf Weiteres aufrecht. Das gab der Zirler Bürgermeister Thomas Öfner (SPÖ) am Montag bekannt.
Zähneputzen erlaubt, Schlucken verboten
Um die Gemeinde rechtlich abzusichern, wurde Ende der Vorwoche eine entsprechende Verordnung erlassen. Diese sieht bei Verstößen Strafen von bis zu 2000 Euro (!) vor. Das Abkochgebot betreffe ausschließlich Wasser, das verzehrt bzw. für Speisen und Getränke verwendet wird, betonte der Dorfchef. Für Duschen, Händewaschen, WC-Spülung und vergleichbare Verwendungen gelte dies nicht.
Beprobung von Juni unauffällig
Die aktuelle Situation sei auf ein Unwetterereignis in der Vorwoche zurückzuführen. Davor habe keine grundsätzliche Problemstellung bestanden. Die letzte routinemäßige Beprobung im Juni sei „vollständig unauffällig“ gewesen. Während zweier Hitzewellen war es jedoch zu Versorgungsengpässen gekommen.
Innerhalb der Zirler Bevölkerung wird das Verständnis nach dem 2. Vorfall, was die Trinkwasser-Nutzung betrifft, durch den Dorfchef auf die Probe gestellt.
Zirler Vizebürgermeisterin Iris Zangerl-Walser
Einfluss von Unwetter, aber unklar, wo
Die genaue Ursache der aktuellen Beeinträchtigung habe noch nicht lokalisiert werden können. Als Maßnahmen sind nun UV-Filter in Hochbehältern, Lecksuchen und Trübungsmessungen geplant. Die Ergebnisse sollten laut Öfner am Dienstag vorliegen. Ausdrücklich und sogar doppelt entschuldigte sich Öfner bei jenen, „die sich in dieser Situation nicht angemessen informiert gefühlt haben“. Von einer Information über das Landeswarnsystem AT-Alert habe man „nach sorgfältiger Abwägung Abstand genommen“. Diese sei nicht zu 100 Prozent auf das Ortsgebiet eingrenzbar und garantiere „auch keine 100 Prozent flächendeckende Information“. Die Probleme mit der Trinkwasserversorgung waren zuvor fast ausschließlich über die gemeindeeigene Homepage kommuniziert worden.
AT-Alert für Gemeinde nicht treffsicher genug
Für Zirls Vize-BM Iris Zangerl-Walser (ÖVP) gibt es „keine ausreichende Begründung“, weshalb die Bevölkerung nicht über das Landeswarnsystem AT Alert informiert worden sei. „Zudem wurde bislang niemand über das Ergebnis der laufenden Wasseruntersuchungen durch das Analyseinstitut über mögliche Schadstoffe informiert.“ Zumindest ein Ergebnis sollte seit vergangenen Freitag vorliegen.
Gemeinderat blieb im Dunkeln
„Tatsache ist, dass weder der Gemeinderat noch die Bevölkerung nun bereits zum zweiten Mal umfassend und ausreichend informiert wurden“, erinnert Zangerl an die Verbindungsleitung zwischen den Hochbehältern, die 2024 still und heimlich stillgelegt wurde und die die Engpässe während der beiden jüngsten Hitzewellen zumindest mitverursacht hat.
Verordnung erst nachträglich präzisiert
Sie kritisiert auch die Verordnung des Bürgermeisters: „Durch die Verordnung des Bürgermeisters wird jegliche Entnahme von Wasser aus der Gemeindewasserleitung ohne vorheriges Abkochen unter Strafe gestellt. Jetzt gibt es Tage nach dem Inkrafttreten dieser Verordnung eine Richtigstellung, dass das Duschen, Händewaschen, das Betätigen der WC-Spülung auch ohne Abkochen des Wassers ohne eine Strafe bis zu 2000 möglich ist.“
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