Seit März ist Mojtaba Khamenei neuer Oberster Führer des Iran, seither ist er nicht öffentlich aufgetreten. Es wird daher spekuliert, er sei aufgrund schwerer Verletzungen handlungsunfähig. Jetzt hat das Regime ein Video von ihm veröffentlicht – und damit die Gerüchte erst recht angeheizt.
Mojtaba Khamenei sitzt am Boden und unterweist Männer, die ihm aufmerksam zuhören. Das zeigt ein Video, dass die halboffizielle iranische Nachrichtenagentur „Mehr News“ am Samstag veröffentlichte. „Zum ersten Mal“ würden diese Bilder gezeigt, behauptete die Agentur, ohne Zeit und Ort der Aufnahme zu nennen.
Alte Aufnahmen
Tatsächlich handelt es sich um ein altes Video. Bereits am 20. März, kurz nach der Ernennung von Khamenei zum Obersten Führer, wurden die Aufnahmen als Teil eines Zusammenschnitts von iranischen Staatsmedien veröffentlicht. Auch damals war nicht klar, von wann sie stammen.
Die Bilder zeigen Khamenei offenbar, wie er islamisches Recht lehrt. Er soll aber schon im Jahr 2024 aufgehört haben, öffentlichen Unterricht zu geben.
Schon vor dem Krieg mied Mojtaba Khamenei das Rampenlicht und spann im Hintergrund seine Fäden. Aber selbst als Oberster Führer des Iran, zu dem er Anfang ausgerufen wurde, trat er bisher nicht öffentlich auf. Nach außen kommuniziert er lediglich per schriftlichen Statements.
Bei dem US-israelischen Angriff auf Teheran am 28. Februar, der seinen Vater tötete, wurde Mojtaba Khamenei nach Angaben des Regimes verletzt. Wie schwer, ist nicht bekannt. Dass er aber selbst den sechstägigen Trauerfeiern für seinen Vater und Vorgänger fernblieb, heizte Spekulationen an, dass er dauerhaft verstümmelt oder sogar tot sein könnte. Sein Fehlen kann auch pragmatische Gründe haben: Schließlich steht Khamenei nach wie vor auf der Abschussliste Israels.
„Zunehmend problematisch“
Die Veröffentlichung des Videos verdeutlicht aber, dass Teheran aufgrund des Rätselratens um den Ayatollah zunehmend nervös wird. Sie zeige, dass „selbst unter den Anhängern des iranischen Regimes das Bewusstsein wächst, dass seine anhaltende Abwesenheit zunehmend problematisch ist“, so der israelische Iran-Experten Raz Zimmt auf der Plattform X (siehe unten).
Zudem sei es schwierig, Entscheidungen zu treffen, wenn der Staatschef aus der Ferne regiere. Das räumte jüngst auch der iranische Präsident Masoud Pezeshkian ein. „Es ist momentan sehr schwierig, mit ihm zu kommunizieren“, erklärte Pezeshkian vergangene Woche. Er habe aber produktive Gespräche mit ihm führen können und sei dabei auf „Freundlichkeit und eine sehr fundierte Logik“ gestoßen. Zuletzt sollen sich die beiden Ende Juli getroffen haben, wo sie auch die aktuelle Lage im Krieg gegen die USA erläuterten.
„Böswillige Menschen“ vermitteln anderes Bild
Pezeshkian sah sich gezwungen, auf die Spekulationen zum Zustand des Ayatollahs einzugehen. „Leider ermöglicht die aktuelle Situation es einigen böswilligen Menschen, ihn anders darzustellen und ein anderes Bild von ihm zu vermitteln“, so der Präsident.
„In Zukunft“ neue Bilder
Auch der militärische Arm des Mullah-Regimes bemüht sich, Gerüchte zu zerstreuen. Nachdem klar geworden war, dass das „neue“ Video von Khamenei ein altes ist, beeilte sich Sardar Seyyed Ghasem Qureshi, Vizekommandeur der Basidsch-Miliz, zu versichern, dass Aufnahmen des Obersten Führers auf der Straße sowie bei Treffen mit Militärkommandanten „in Zukunft veröffentlicht werden“.
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