Seit zehn Jahren züchten Martin und Elke Traxler in Langenwang die Pretul-Saiblinge – in hoher Qualität, auch Haubenkoch Andreas Krainer ist ein treuer Kunde. Den beruflichen Erfolg in Wien ließ das Paar einst hinter sich.
„Der Saibling ist aus meiner Sicht der beste heimische Speisefisch“, sagt Martin Traxler. Aber mit Aufwand verbunden: „Eine Regenbogenforelle bringen Fischzüchter in einem Jahr auf Speisefischgröße. Einen Saibling schaffen auch die besten Züchter nur in zwei Jahren. Meine Fische werden drei Jahre alt, bis sie rund 30 Zentimeter groß und 30 Dekagramm schwer sind.“ In der Natur werden Saiblinge sogar bis zu zehn Jahre alt und können bis zu 80 Zentimeter groß und bis zu vier Kilo schwer werden.
Gelände, Fischbecken, Stall für die hier auch gezüchteten Krainer-Steinschafe sowie die Wohngebäude sind beispielgebend Gestaltung und Gepflegtheit. Als die Traxlers vor rund 25 Jahren auf die zum Verkauf stehende Immobilie samt Wald stießen, war der Eindruck etwas wilder. Der steile Hang direkt oberhalb des Schafstalls war sogar mit eigenem Skilift versehen. Das Gesamtpaket fand Traxler aber sofort einnehmend.
Widerstand der Behörden nach drei Jahren gebrochen
Ursprünglich waren 26 Konzessionen von den verschiedensten Behörden einzuholen gewesen. 23 Behörden hatten zunächst gesagt: „Geht nicht!“ Jedoch hielt der gelernte Jurist nach drei Jahren alle notwendigen Bescheide rechtskräftig in Händen. Das war auch der Zeitpunkt, die beruflichen Taue in Wien zu kappen.
Mit der Produktion hochwertiger Lebensmittel hatte das Paar ursprünglich nichts zu tun: Elke Traxler betrieb eine Physiotherapie-Praxis, Martin war Geschäftsführer des österreichischen Apothekerverlags. In Sachen Jobs hat „echt alles gepasst. Aber diese Natur hier! Wir wollten dann irgendwas machen, wovon wir hier leben können.“ Ideen wie ein Gesundheitshotel wurden verworfen, es wurde letztlich die Fischzucht, ganz naturgetreu praktiziert.
Es muss immer jemand vor Ort sein
„Das wirklich Kritische ist, dass der Saibling immer frisches Wasser und Sauerstoff braucht“, erläutert Martin Traxler. Das bedeutet, dass immer jemand vor Ort sein muss. Wenn es regnet, können die Gitter für die Wasserzuleitung verstopfen: kein normaler Durchfluss, kein frischer Sauerstoff. Sechs Stunden ohne den üblichen Frischwasserzulauf sind für die Fische fatal. Das ist dem Züchter einmal zu Beginn passiert. 1,5 Tonnen Speisefische entsorgen zu müssen, das „tut weh, weil wir jedes Tier so schonend wie möglich behandeln“. Der Fischotter ist ein ortsübliches Problem und kostete am Anfang 30 Mutterfische. Seither ist alles abgezäunt.
Über acht Jahre lang hat ElkeTraxler als passionierte Köchin für Gäste im eigenen Lokal gekocht. So gut, dass der Fisch-Hotspot Pretul für über ein Jahr im Vorhinein ausgebucht war. Das wurde mit der Zeit zu stressig. Elke Traxler ist nach wie vor für die Fisch-Kreationen, sei es mit Dill oder Kren, oder die Saiblingsleberpastete in Gläsern verantwortlich. Für das Lammfleisch ist Martin Traxler zuständig, alles läuft im Kleinen ab, er schlachtet selbst.
Das Mürztal gehört nicht zu den reichsten Gegenden. Wir wollen, dass die Leute hier sich unseren Fisch leisten können.
Martin Traxler
„Die Leute sollen sich unseren Fisch leisten können“
Konkurrenz von Fischzüchtern fürchtet Martin Traxler nicht, weil die vier Tonnen Jahresproduktion sowieso immer verkauft werden. Der Kilopreis von 26 Euro sei knapp kalkuliert. Regionale Versorgung steht im Vordergrund: „Das Mürztal gehört nicht zu den reichsten Gegenden. Wir wollen, dass die Leute hier sich unseren Fisch leisten können.“ Der große Publikumserfolg des jüngst stattgefundenen ersten Genussfests zeigt, dass der Zusammenschluss von Direktvermarktern Rückhalt in der Bevölkerung findet.
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