Zu wenig Wasserkraft

Strommangel: Gaskraftwerk springt jeden Abend ein

Steiermark
07.08.2026 07:00

Die steirischen Wasserkraftwerke an der Mur und der Enns produzieren heuer nur die Hälfte der üblichen Strommenge. Der Verbund setzt daher verstärkt auf das Gaskraftwerk Mellach und treibt das geplante Pumpspeicherprojekt Salza voran.

Das Murkraftwerk in Peggau ging 1908 in Betrieb, das Kraftwerk Arnstein im Jahr 1925, jenes in Pernegg wird 2027 100 Jahre alt: Der Verbund betreibt in der Steiermark mehrere große Anlagen zur Energieerzeugung, die eine stolze Geschichte aufweisen. „In unseren Aufzeichnungen hat es aber noch nie so ein trockenes Jahr gegeben“, sagt Konzernsprecher Robert Zechner.

Die 36 Laufkraftwerke an der Mur und an der Enns haben im ersten Halbjahr nur die Hälfe des langjährigen Durchschnitts an Strom erzeugt. In der ersten Augustwoche war der Wert sogar unterhalb der 50-Prozent-Marke. Das bedeutet: Es läuft nur eine Turbine, obwohl zwei oder drei verfügbar wären.

Sonnenstrom wird kaum zwischengespeichert
Tagsüber liefert aktuell die Photovoltaik „extrem viel Strom“, so Zechner. Jeden Abend wird dann allerdings das Gaskraftwerk Mellach angeworfen, um die Lücke zu schließen – es braucht also fossile Energie. Möglichkeiten, den gewonnenen Sonnenstrom in großem Stil zwischenzuspeichern, gibt es in der Steiermark noch nicht.

Erste Entwürfe vom Projektgebiet wurden jetzt präsentiert.
Erste Entwürfe vom Projektgebiet wurden jetzt präsentiert.(Bild: Krone KREATIV)

Erste Bohrungen für Pumpspeicherkraftwerk
Der Verbund plant daher im Bereich des Salza-Stausees (Bezirk Liezen) ein großes, 500 Millionen Euro teures Pumpspeicherkraftwerk – der Stausee soll dabei das Unterbecken bilden, das Oberbecken würde 800 Meter weiter oben am Bergereck entstehen, auf 1500 Metern Seehöhe.

Wofür sogenannte Pumpspeicheranlagen überhaupt gebraucht werden, ist leicht erklärt: Sie „konservieren“ überschüssige Energie aus Sonne und Wind – und zwar indem Wasser von einem tieferen in ein höher gelegenes Becken gepumpt wird. Bei Bedarf fließt das Wasser zurück und kann so innerhalb kürzester Zeit Strom durch angetriebene Turbinen erzeugen – ein wichtiger Beitrag zur Netzstabilität.

Am Bergereck wurden die ersten Bohrungen vorbereitet.
Am Bergereck wurden die ersten Bohrungen vorbereitet.(Bild: Verbund)

Baustart nicht vor 2030
Auf dem Bergereck wurden als ersten Schritt Ende Juli mehrere Bohrgeräte transportiert, bis zum Jahresende sollen elf Bohrungen zur Erkundigung der Geologie durchgeführt werden – bis in 400 Meter Tiefe. Die Proben werden in einem Labor untersucht. 

Anfang 2027 soll dann ein „Gesamtbild“ über die Größe der Anlage sowie die Auswirkungen und notwendigen Ausgleichsmaßnahmen vorliegen. Die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung werden frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027 eingereicht. Beginn der etwa fünfjährigen Bauzeit? Nicht vor 2030.

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