Biogas aus Ziersdorf könnte Österreich unabhängiger machen – doch der Politik fehlt noch immer der entscheidende Schritt...
Während Österreich Monat für Monat rund eine Milliarde Euro für Energieimporte ins Ausland überweist, könnte ein Teil dieses Geldes längst im eigenen Land bleiben. Denn das Potenzial ist vorhanden: In Österreichs größtem Biogasbetrieb in Ziersdorf wird bereits heute aus organischen Reststoffen Energie gewonnen. Was fehlt, ist nicht die Technik – sondern das längst angekündigte Erneuerbares-Gas-Gesetz.
Die Anlagen stehen bereit
Zwischen Fermentern, Rohrleitungen und modernster Anlagentechnik machen Andreas Blochberger und Robert Schweizer deutlich, worum es geht. Aus Bioabfällen aus Haushalten, organischen Reststoffen der Lebensmittelverarbeitung und landwirtschaftlicher Gülle könnte künftig hochwertiges Biomethan erzeugt und direkt ins bestehende Gasnetz eingespeist werden. Lebensmittel oder zusätzliche Anbauflächen werden dafür nicht benötigt.
„Ich habe nichts gegen Erfolgsmeldungen. Aber wir sollten ehrlich sein“, sagt Andreas Blochberger. „Die oft zitierten mehr als 90 Prozent erneuerbare Energie beziehen sich auf den Strom – nicht auf das Gas. Solange wir weiterhin große Mengen fossilen Erdgases importieren, sind wir noch lange nicht energieunabhängig.“
Wertvolle Energie geht verloren
Noch wird die Energie vieler Biogasanlagen überwiegend als Strom genutzt. Mit einem modernen Rechtsrahmen könnte daraus künftig heimisches Biomethan werden - regional produziert und direkt für Haushalte und Betriebe verfügbar.
„Wir entsorgen keinen Abfall – wir verlieren Energie“, bringt es Robert Schweizer auf den Punkt. „Solange organische Reststoffe und Bioabfälle nicht konsequent zu Biomethan veredelt werden, verzichten wir auf heimische Wertschöpfung und bleiben von Energieimporten abhängig. Das können wir uns eigentlich nicht mehr leisten.“
Große Chance für Niederösterreich
Allein in Niederösterreich gibt es rund 100 Biogasanlagen, das Gasnetz ist flächendeckend vorhanden und das technische Know-how längst aufgebaut. Eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums zeigt das enorme Potenzial: Pro zusätzlicher Terawattstunde Biomethan entstehen rund 390 Millionen Euro an heimischer Wertschöpfung sowie mehr als 5.100 Vollzeit-Arbeitsplätze. Rund 99 Prozent dieser wirtschaftlichen Effekte bleiben im Inland.
Für Blochberger ist die Rechnung deshalb einfach: „Wir Unternehmer sind bereit zu investieren und Österreich zu stärken. Die Politik muss jetzt ein praxistaugliches Erneuerbares-Gas-Gesetz beschließen. Dann können wir einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leisten, Arbeitsplätze schaffen und Österreich Schritt für Schritt unabhängiger von fossilen Gasimporten machen.“
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