Die Gluthitze führt auch die Notwendigkeit klimagerechten Wirtschaftens vor Augen. Wiens Wirtschaftsagentur hat in den letzten zwei Jahren 36 innovative Ideen findiger Unternehmer gefördert, von denen nicht nur die Stadt, sondern auch ihre Bewohner profitieren können – sogar direkt im eigenen Wohnzimmer.
Neben Grätzel-Förderung, Expat-Programmen und mehr hat Wiens Wirtschaftsagentur auch einen Fördertopf für klimagerechte unternehmerische Ideen. Die Unterstützung durch diesen „Vienna Planet Fund“ ist begehrt: Seit 2024 haben 131 Unternehmen 162 Projekte eingereicht. 36 davon erhielten Förderungen von insgesamt 4,7 Millionen Euro. Davon hat nicht nur die Stadt einen Rückfluss von 17,5 Millionen an Investitionen, sondern die Wiener eine umso reichere Auswahl an klimawirksamen Produkten und Dienstleistungen mit unmittelbarem Nutzen.
Uraltes Bauwissen ins Heute geholt
Eines der geförderten Unternehmen ist Mudklub, das uraltes Bauwissen ins 21. Jahrhundert geholt hat: Gestampfter Lehm, über Jahrhunderte das Wohnklima in Räumen rund um die Welt regulierend, kehrt hier im schicken und praktischen Fliesenformat wieder. Das Material dafür kommt aus dem Wiener Umland, und neben angenehmem Raumklima hilft die Verarbeitung der Klimabilanz: Der ökologische Fußabdruck der Lehmfliesen ist mit einem Dreißigstel weniger als bei Keramikfliesen verschwindend gering.
162 eingereichte Projekte belegen, dass Wiener Unternehmen aktiv an klimaschonenden Projekten arbeiten und so auch zur allgemeinen Lebensqualität beitragen.

Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ)
Bild: Eva Manhart
Dass man auch an kleinen Schrauben innovativ drehen kann, beweist etwa Solemates: Die Firma hat sich auf das Neu-Besohlen von Kletterschuhen spezialisiert und punktet nicht nur mit Nachhaltigkeit, sondern auch mit bequemem Service – und Kletterer freuen sich obendrein, dass sie ihre Schuhe weiter nutzen können, wenn sie erst wirklich wie angegossen passen. Ein weiteres gefördertes Unternehmen ist für viele Wiener wiederum ein alter Bekannter: Cup Solutions stattet bereits viele Veranstaltungen in der Stadt mit seinen wiederverwendbaren Bechern, Häferln und Tellern aus.
Potenzielle Energierevolution in petto
Neben Ideen mit Hausverstand werden auch Hochtechnologie-Innovationen gefördert. Das US-Unternehmen Floodlight hat sich etwa in Wien angesiedelt, um auch von hier aus satelliten- und KI-gestützte Rechenmodelle für Emissionen und andere Klimarisiken – Stichwort Hochwasser – voranzutreiben. Eine potenzielle Energierevolution hat die ursprünglich isländische Firma Flexdrill in petto, die den Aufwand für Erdwärmebohrungen mit neuen Systemen auf einen Bruchteil sinken lassen könnte.
Aus der Sicht von Wirtschaftsagentur-Chef Dominic Weiss bieten allerdings alle eingereichten Ideen unabhängig von der bewilligten Förderung einen Mehrwert für die Stadt. Der „Vienna Planet Fund“ habe merkbar eine bisherige Lücke im Angebot von Förderungen geschlossen und gezeigt, wie viel Klimaschutz-Möglichkeiten auch in Branchen stecken, an die man vorderhand nicht denken würde: „Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die Weiterentwicklung ein.“
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