Pater Stephan Holpfer geht nach 23 Jahren als Landesfeuerwehrkurat in den Ruhestand. Der Grund dafür ist sein nahender 65. Geburtstag. Der Pfarrer in Bad Vöslau und Mönch im Stift Melk bleibt seiner Feuerwehr jedoch als Kamerad erhalten.
In der Nähe von Pater Stephan Holpfer lässt es sich gut zur Ruhe kommen und den Trubel der Umwelt ausblenden. Dafür braucht es nicht viele Worte, manchmal nur ein Zusammensitzen bei einer Tasse Kaffee. „Einfach hinhören und da sein“, lautet sein Zugang. Viele Gespräche führt er in seinem Pfarrgarten in Bad Vöslau, Bezirk Baden. Vom Gartenhaus überblickt man das beruhigende Grün, vernimmt das Rascheln in den Baumkronen, das Lachen der Kinder aus dem nahen Thermalbad und sieht hinter dem Pfarrhaus noch die Spitze des Kirchturms mit Kreuz. Hier hört der gebürtige Traiskirchner einfach nur zu, brüht feinen italienischen Espresso auf, pfafft an seiner Zigarillo („krummer Hund“ nennt er sie) und blickt kein einziges Mal auf die Uhr, deren Ziffernblatt übrigens nach innen am Handgelenk gedreht ist. Pater Stephan nimmt sich die Zeit, die es braucht.
Feuerwehr-Uniform ist immer im Auto
Als Landesfeuerwehrkurat ist er in den vergangenen 23 Jahren oft zu Einsätzen hingefahren – „die Feuerwehruniform habe ich immer im Auto, denn ich bin zunächst einmal Kamerad“ – hat sich an den Rand gestellt und war da. „Oder ich habe bei besonders schweren Vorfällen gesagt, dass ich nachher im Feuerwehrhaus auf einen Kaffee bin.“ Kameradschaftpflege ist es, was er seinem Nachfolger mitgeben möchte.
Mit 65 ist Schluss als Funktionär
In seiner Heimatpfarre in Bad Vöslau wird er auch weiterhin Kamerad sein („Freitagabend gehört immer der Feuerwehr!“), als Landesfeuerwehrkurat ist aber Schluss. Der Grund ist nicht selbst gewählt, denn sein nahender 65. Geburtstag am 30. November zwingt ihn, sich von dieser seiner „Herzensangelegenheit“ zu verabschieden. Weil er damit nicht bis zuletzt warten wollte, las er bereits im Mai seine letzte Florianimesse.
Oft seelisch sehr belastend
Es sind viele seelisch belastende Ereignisse, die dieses Amt prägten. So wie das Busunglück von Pöchlarn, das sich heuer im August zum 21. Mal jährt. Um 4 Uhr in der Früh kam der Anruf, dass er kommen solle – als Seelsorger für die Einsatzkräfte und für die acht toten Jugendlichen. Jeden von ihnen half er zu bergen und sprach ein stilles Gebet. Danach ging er etliche Runden im Stiftspark von Melk.
„Die Natur hilft mir immer“
Oft hängt an der Tür des Pfarrhofes das Schild „Bin im Garten“, denn „die Natur hat mir immer geholfen“, so Pater Stephan. Manchmal sitzt er selbst nur vor seinem Gartenhaus und hält inne. Früh morgens gießt er die Blumen im Garten, mit Sonnenbrille und kurzer Hose mäht er den Rasen. Gerne spaziert er über den Kurpark zur Bad Vöslauer Waldandacht und zurück. „Ich zünde immer auch ein Kerzerl an“, so Pater Stephan. Kraftplatz, Zuhause und Ausgleich ist für ihn Stift Melk, wo er dem Konvent angehört.
Den Jugendlichen viel mitgeben
Es sind aber auch viele schöne Momente, die ihn als Landesfeuerwehrkurat, als Seelsorger und als Mensch glücklich machen. Wie das Zusammensein mit tausenden Jugendlichen beim Feuerwehrlager, wo er ihnen am Ende immer einen Reisesegen und den Wunsch „Viel Freude beim Duschen daheim nach vier Tagen!“ mitgibt. Als er selbst 1973 der Feuerwehr in Traiskirchen, Bezirk Baden, beitrat, erfuhr er wie wichtig gute Jugendbetreuer sind. Sie haben ihn geprägt und dafür gesorgt, dass er bis heute Feuerwehrmann ist.
Im Kloster seit 45 Jahren
Noch früher begann er in der Kirche, wo er im achten Lebensjahr als Ministrant eintrat. Mit 20 Jahren trat er ins Kloster ein. Das Stift Melk ist sein Refugium, wo er einmal in der Woche auftankt, beim Spaziergang im Park, beim Kaffee im Stiftscafè oder einfach in der Gemeinschaft mit seinen Mitbrüdern. Auch hier gelebte Gemeinscchaft wie bei der Feuerwehr.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.