Ein simples Geschirrtuch, wie es in jedem Haushalt zu finden ist, als Mahnmal für Frauenmorde in Österreich: Künstlerin Sabina Schwarz bestickte 71 Geschirrtücher mit dem Ort, dem Datum des Verbrechens und – soweit bekannt – dem Vornamen des Opfers. Die Arbeit ist ab sofort im Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in Wien zu sehen.
Frauen werden in Österreich meist nicht von Fremden getötet, sondern von Männern, die ihnen nahestehen. Seit 2023 bestickte die Innsbrucker Künstlerin Sabine Schwarz Geschirrtücher, um an jedes einzelne Opfer von Femiziden zu erinnern. Ende 2025 hatte sie 71 Tücher bestickt. Genau so viele Frauen wurden hierzulande binnen zwei Jahren ermordet.
Seit Donnerstag ist die Textilarbeit „er/stickt. Über Femizide in Österreich“ in der Hauptausstellung des hdgö zu sehen. Die Arbeit erweitert die Ausstellung „Neue Zeiten, Österreich seit 1918“ um die Perspektive geschlechtsspezifischer Gewalt.
„Als Museum, das Demokratie und Menschenrechte vermittelt, ist es uns ein Anliegen, das Thema geschlechtsspezifischer Gewalt aufzugreifen und dagegen Stellung zu beziehen. Dabei gilt es, einen sensiblen Zugang zu finden, der die Würde der Opfer wahrt und trotzdem die breite gesellschaftliche und politische Relevanz jedes einzelnen Falls ernst nimmt“, sagt hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer.
Die Erweiterung der aktuellen Hauptausstellung um die sensible künstlerische Arbeit zu Femiziden in Österreich macht Gewalt gegen Frauen sichtbar.
Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings
Ausstellung wird jährlich aktualisiert
Die Arbeit von Schwarz sei als laufender Prozess angelegt und werde jährlich im hdgö aktualisiert. „Material und Technik greifen bewusst geschlechtsspezifische Zuschreibungen auf: Geschirrtücher verweisen traditionell auf den häuslichen Raum, Sticken auf eine textile Praxis, die feministische Künstlerinnen heute vielfach neu besetzen. So verbindet die Arbeit individuelle Erinnerung mit einer Reflexion über Geschlechterrollen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Verantwortung“, heißt es dazu in einer Aussendung.
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