Mi, 15. August 2018

Wirbel in Hongkong

17.10.2014 11:09

Polizei räumte überraschend weiteres Protestlager

Die Polizei in Hongkong hat Freitag früh überraschend einen der Hauptprotestorte der prodemokratischen Demonstranten geräumt. Mit Bolzenschneidern und Sägen bewaffnet rückten die Beamten im Morgengrauen auf den Demonstrationsplatz im dichtbevölkerten Stadtteil Mong Kok vor und bauten Zelte und von den Demonstranten errichtete Barrikaden ab. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Allerdings reagierten zahlreiche Demonstranten nach der Räumung mit einem Sitzstreik auf den Fahrbahnen.

Rund 200 Demonstranten weigerten sich, wegzugehen. Sie verhinderten damit, dass die Polizei die Straße wieder komplett für den Verkehr freigeben konnte, wie lokale Medien berichteten.

Mit ihrem Protest in Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon, dem zweitgrößten Demonstrationsort der Bewegung, hatten die Aktivisten eine wichtige Straße blockiert und sich zuletzt immer mehr den Ärger der Anrainer und Geschäftsleute der Gegend zugezogen. Einige Bewohner des Viertels applaudierten, als die Polizisten am Morgen anrückten. "Wie könnte ich nicht glücklich sein?", sagte etwa die rund 50-jährige Wong. "Straßen sind für Autos da. Wir müssen arbeiten."

"Es gab keine Kämpfe, alles blieb friedlich"
Bei den Demonstrationen der vergangenen Wochen war es in Mong Kok immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Die Räumung am Freitag verlief jedoch ruhig. "Es ging alles sehr schnell", sagte der 20-jährige Demonstrant Prince Yung Chung To. "Die vielen Polizisten kamen um 5 Uhr morgens und riefen, dass sie den Platz nun räumen würden." Ein anderer Demonstrant, der anonym bleiben wollte, ergänzte: "Es gab keine Kämpfe, alles blieb friedlich."

Ein Vertreter des Studentenverbands HKFS, der den Protest anführt, kritisierte die Räumung von Mong Kok. Es gehe der Polizei nicht darum, die Blockaden abzubauen, sondern auch darum, alle Protestierende von den Straßen zu schaffen, sagte Ivan Law. Er sei "enttäuscht" von den Behörden.

Studenten sehen Gesprächsangebot gefährdet
Noch am Donnerstag war der Chef der chinesischen Sonderverwaltungszone, Leung Chun Ying, überraschend auf die Protestbewegung zugegangen und hatte ihr neue Gespräche angeboten. Die Demonstranten fordern eigentlich Leungs Rücktritt sowie eine freie Wahl ihres Verwaltungschefs im Jahr 2017, ohne dass Peking wie bisher geplant eine Vorauswahl der Kandidaten trifft. Das Gesprächsangebot vom Donnerstag sei mit der nächtlichen Polizeiaktion nun in Zweifel gezogen, sagte Law. Der Studentenverband wolle sich schnell treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen damit begonnen, die Protestlager in der Metropole zu räumen. Die durch die Blockaden verursachten Verkehrsprobleme in der ohnehin dichtbevölkerten Metropole hatten zunehmend die Geduld vieler Geschäftsleute und Einwohner strapaziert. Wie Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte belegten, gingen die Polizisten dabei aber mitunter brutal gegen Demonstranten und Journalisten vor - was international für Empörung sorgte.

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