Er war Jugendmeister mit dem GAK, wurde später Stadionsprecher des Lokalrivalen Sturm Graz und ist seit geraumer Zeit im ORF-Landesstudio Steiermark als Moderator tätig. Nun ist Thomas Seidl als neues Gesicht alternierend bei der wöchentlichen Sendung „Fußball am Sonntag“ (18.15 Uhr, ORF 1) zu sehen. Im „Krone“-Talk gibt er Einblicke in sein Leben und sagt uns, was uns alles erwartet.
„Krone“: Als einstiger Sturm-Stadionsprecher und dezidierter Fan - wie viel Objektivität ist in deiner Moderatorenfunktion möglich und würdest du riskante Wetten abschließen, die dich in irgendeiner Form dem GAK aufzwingen würden?
Thomas Seidl: Im Prinzip ist jede Fußball-Moderatorin und jeder Fußball-Moderator Fan einer bestimmten Mannschaft. Deswegen gehört es zur Professionalität dazu, in Interviews, Gesprächen oder Moderationen eine gewisse „Nähe“ auszublenden. Das ist mir abseits des SK Sturm in Podcasts wie „Die beste Liga der Welt“ oder in Radiosendungen bei Radio Steiermark immer gelungen. Wenn es kritische Fragen braucht, wird es diese geben. Wetten in irgendeiner Form wird’s von mir keine geben, außerdem habe ich ja den Großteil meiner fußballerischen Karriere in der Jugend und der Akademie bis zu den Amateuren selbst beim GAK verbracht.
Bislang kennt man dich durch den Podcast „Box oder Strafraum“, andere Projekte und das Radio eher aus dem auditiven Bereich. Wie wirst du deine Rolle vor der Kamera anlegen?
Egal, ob ich vor der Kamera, vor dem Mikro im Radio oder auf der Bühne bei Veranstaltungen stehe, versuche ich immer so authentisch wie möglich zu sein. Das gelingt bis jetzt auch relativ gut. Die Idealvorstellung wäre eine Mischung aus Lockerheit, Spaß und Fußball-Know-how.
Als Experte ist Peter Stöger an deiner Seite. Wie gut kennt ihr euch und was darf man sich von diesem Tandem erwarten? Wirst du auch mit anderen Experten in Aktion sein?
Gemeinsam mit Peter Stöger in die erste Sendung zu gehen, ist ein Jackpot für mich. Wir haben während der WM schon zwei Primetime-Sendungen im WM-Studio absolvieren dürfen, da hat die Chemie bereits hervorragend gepasst. Dasselbe gilt auch für die weiteren Experten. Da ja alle in den „Box oder Strafraum“-Sendungen mehrmals zu Gast waren, weiß ich, wie die Experten ticken und umgekehrt wissen sie, was sie von mir erwarten können.
Du warst auch bei der WM im Einsatz – inwiefern muss man sich denn wieder an die normale Fußball-Alltagskost gewöhnen? Auch für den Fan und Zuseher wird das am Anfang ein markanter Bruch sein …
Wie schon zu Beginn erwähnt, ist es aber dafür das ehrliche Stadionerlebnis, das man wieder genießen kann. Sportlich ist es natürlich etwas anderes, aber ich bin optimistisch, dass die Qualität der Bundesliga wieder besser wird. Was die Frauen-Bundesliga und die Zweite Liga betrifft, gehe ich fix davon aus, dass es durch die neuen Teams wie Rapid Wien bei den Frauen oder Wacker Innsbruck in der zweiten Liga eine Verbesserung geben wird und auch der Fußball attraktiver wird.
Wie hast du die WM verfolgt und was hat dich am meisten überrascht/erfreut/enttäuscht?
Durch meine Arbeit im WM-Team habe ich die WM sehr intensiv verfolgt. Wir haben im Zuge der WM 33 Folgen „Box oder Strafraum“ als Podcast und Fernsehsendung aufgezeichnet. Überrascht haben mich die durchwegs vollen Stadien, allen voran in den USA. Erfreut haben mich Teams wie Norwegen oder auch die Kapverden, die einfach guten Fußball zeigten und den großen Nationen richtig zugesetzt haben. Enttäuscht war ich von der ganzen Show rund um und während des Endspiels. Das war leider nix.
Worauf wird der Fokus der ORF-Sendung liegen und was wollt ihr besonders ins Licht rücken? Wie sollte sich „Fußball am Sonntag“ vom Gros der Mitbewerber am besten unterscheiden?
Der größte Unterschied soll die Vielfalt sein. Christian Diendorfer als Mastermind des Projekts möchte die ganze Fußballwoche abbilden. Nicht nur alle Spiele aus der Bundesliga, auch die zweite Liga und die Frauen-Bundesliga werden ihren Platz haben. Wir werfen Fragen auf: Wie geht’s den Legionärinnen und Legionären? Auch der Nachwuchs und das Unterhaus werden immer wieder Thema sein. Und auch der ein oder andere Gast wird zu aktuellen Themen in der Sendung geladen sein.
Wie oft wirst du bei der Sendung im Einsatz sein und wie sieht deine Vorbereitung aus? Kann man sich auf diese Sendung denn überhaupt vorbereiten?
Geplant ist einmal im Monat. Kristina Inhof, Christian Diendorfer, Rainer Pariasek und ich werden als Kern-Team das Gros der Sendungen moderieren. Die Vorbereitung läuft über die ganze Woche, Zeitungen und Onlineportale lesen, Podcasts hören – da gibt es viele Möglichkeiten, sich einen Überblick zu verschaffen. Vieles wird aber vom Fußball-Team aus Wien übernommen, das dann mit dem Sendungsverantwortlichen die Show befüllt. Immer im Austausch mit den eingeteilten Moderatoren und Experten.
Hast du Vorbilder im Sinne der Moderation? Auch was vor allem die Analysen, den Zugang zur Moderation, den Schmäh oder die Mode betrifft?
Mein Vorbild als Kind war immer Robert Seeger. Dass ich jetzt als Steirer, und so wie Robert Seeger, wieder aus dem Landesstudio Steiermark diese Chance bekomme, ist komplett surreal. Aktuell sehe ich Moderatorinnen und Moderatoren gerne zu, die über ihre Lockerheit kommen. Lukas Schweighofer, Ernst Hausleitner, aber auch „Nicht-Sportler“ wie Eva Pölzl oder Andi Knoll finde ich super locker und gleichzeitig super professionell.
Welches Ziel setzt du dir damit selbst? Was muss passieren, damit du am Ende zufrieden bist?
Wenn ich mich wohlfühle und von mir selbst aus alles gegeben habe, dann bin ich happy. Der Fußball-Fan soll spüren, dass wir vom ORF Fußball leben und auch Spaß dabei haben, Fußball zu vermitteln.
Gestärkt werden sollen auch Zweitliga- und Frauenfußball. Wie viel Zeit wird man diesen Themen einräumen und wirst du dich auch in diesen Bereichen extra einlesen?
Beide Ligen sind Fixpunkte und werden jeden Sonntag gleich zu Beginn der Sendung einen wichtigen Teil einnehmen. Durch die Kontakte zu den Frauenfußballexpertinnen wie Viki Schnaderbeck, Jasmin Eder oder Lisa Makas haben wir einen direkten Draht zu allen Hintergrundinfos. Was die zweite Liga betrifft, bin ich familiär hervorragend informiert, da mein Bruder seine gesamte Profikarriere in der zweiten Liga verbracht hat.
Wolltest du immer verstärkt auf die Fernsehbildschirme, oder hat sich das bei dir gerade so gut ergeben? Welche Ziele hast du auf lange Sicht hinausgesehen?
Fernsehen in Kombination mit Sport war immer schon ein Traum von mir. Dass ich mir den jetzt mit der WM und in weiterer Folge mit „Fußball am Sonntag“ erfüllen konnte, ist ein absolutes Privileg. Ich habe generell die Einstellung, dass ich bei der Arbeit 100 Prozent gebe, alles andere wird sich ergeben. Damit bin ich in den letzten Jahren schon gut gefahren und deshalb wird daran auch nichts geändert.
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