Mahlers Zweite

Schwebende Geister im Großen Festspielhaus

Salzburg
26.07.2026 21:14
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Dirigent Gustavo Dudamel machte am Samstagabend bei den Salzburger Festspielen aus Gustav Mahlers Zweiter Symphonie kein feierliches Denkmal. Er begeisterte das Publikum mit ständigen Richtungswechseln.

Gustav Mahler suchte lange nach dem Ende seiner Zweiten Symphonie. Gefunden hat er es ausgerechnet bei einer Beerdigung: 1894 hörte er bei der Trauerfeier für Hans von Bülow Klopstocks Auferstehungsverse. Der Einfall traf ihn, wie er später schrieb, mit der Wucht eines Blitzes. Am Samstagabend ließ Gustavo Dudamel im Großen Festspielhaus in Salzburg genau diesen Geistesblitz wieder aufleuchten.

Dudamel machte aus Mahlers Zweiter kein feierliches Denkmal zum ehrfürchtigen Bestaunen. Ständig ließ er die Musik die Richtung wechseln. Eben noch wuchtig und finster, wenige Augenblicke später leichtfüßig und beinahe heiter. Kaum hatte man sich in einer Stimmung eingerichtet, war sie schon wieder verschwunden. Genau dieses ständige Kippen machte die Kurzweiligkeit des eineinhalbstündigen Abends aus.

Schon der erste Satz hatte etwas Unerbittliches. Mahler hatte ihn ursprünglich „Totenfeier“ genannt, die Bezeichnung später aber wieder gestrichen. Dudamel lieferte dafür keine distanzierte Zeremonie, sondern eine unmittelbare Konfrontation und die Wiener Philharmoniker spielten diese mit Druck und dunkler Glut, ohne sich im bloßen Donnern zu verlieren.

Umso befreiender wirkte danach der zweite Satz. Plötzlich kam große Leichtigkeit ins Spiel und mit dem tänzerischen Charakter der Rhythmen Zeit zum Durchatmen und locker Genießen. Dudamel nahm diesen Stimmungswechsel dennoch ernst und nicht als erzwungene Erholungspause.

Nadezhda Karyazina sang das „Urlicht“ mit dunkler, warmer Innigkeit. Bei ihr klang Hoffnung nicht wie Gewissheit, sondern wie etwas, woran man sich im letzten Moment festhält. Ying Fang ergänzte sie im Finale klangschön, auch wenn die Worte beider Solistinnen nicht immer klar ankamen.

Der Abend schloss mit einem echten Gänsehautmoment. Als der Wiener Singverein einsetzte, schien der Raum den Atem anzuhalten, denn der Chor begann nicht einfach zu singen, sondern schwebte klanglich auf, als wären die Sänger eine Schar Geister über dem Orchester. Jener Schlusschor gab der Symphonie auch ihren berühmten Beinamen „Auferstehung“. Nach diesem Abend verstand das Publikum wohl nicht nur warum, sondern spürte es auch. Schon nach wenigen Augenblicken standen die ersten Jubelnden auf.

Larissa Schütz

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