Auch heuer gibt es im Sommer wieder Ausgrabungen am Königsberg im südoststeirischen Tieschen: Was Funde über die Vergangenheit verraten, warum ein Museum entstehen könnte und was beim Forschungsfest am Samstag wartet.
Vor gut 3000 Jahren kam das große Feuer: Damals brannte die ganze Siedlung am Königsberg in Tieschen ab. „Er wurde danach noch einmal bewohnt, 900 bis 850 vor Christus brach die Besiedelung dann aber vollständig ab“, erklärt Wolfgang Neubauer. Der Archäologe-Professor der Uni Wien, 2015 zum Wissenschafter des Jahres gekürt, wuchs zwar in der Schweiz auf, hat aber Wurzeln in Tieschen und verbrachte als Kind jeden Sommer dort. „Im Kaufhaus Tschiggerl haben wir Twinni gekauft, das gab es in der Schweiz nicht“, erinnert er sich.
Seit 2021 ist er jeden Sommer mehrere Wochen mit Ausgrabungen am Königsberg beschäftigt. Das bis zu 30-köpfige Team besteht aus ausgebildeten Archäologen, Studenten, Schülern und Freiwilligen. Sie erforschen die durch einen Wall und einen Graben einst massiv befestigte Höhensiedlung, diese dürfte etwa 4400 vor Christus entstanden sein. In der späten Bronzezeit war sie 14 Hektar groß.
Der Königsberg ist ein Vulkankegel zwischen Tieschen und Klöch. Bereits seit mehr als 100 Jahren finden hier immer wieder Ausgrabungen statt. Die Fundstelle ist besonders für zwei nahezu vollständig erhaltene Feuerböcke bekannt, welche heute im Universalmuseum Joanneum ausgestellt sind.
Traum vom eigenen Museum
Der Schwerpunkt war damals die Textilproduktion. Heuer wurde etwa ein Haus samt Nebengebäude freigelegt, in dem Garne hergestellt, Stoffe gewebt und Kleidungsstücke genäht wurden. In der Steinzeit, etwa 3300 bis 2900 v. Ch., dürfte Tieschen ein Knotenpunkt beim Handel, etwa von Kupfer und Keramik, über die Alpen gewesen sein.
Das Grabungsprojekt läuft insgesamt zehn Jahre, die Funde werden laufend aufgearbeitet und restauriert. Am Ende sollen die Objekte präsentiert werden, vielleicht sogar in einem eigenen Museum – dafür wird aber ein großzügiger Sponsor notwendig sein.
Abschluss mit einem großen Fest
Am Samstag findet jedenfalls das Forschungsfest am Marktplatz (10 bis 18 Uhr) statt. Bei diversen Stationen wird Wissenschaft angreifbar, es gibt auch Spaziergänge zu den Hügelgräbern (10.30 Uhr und 12.30 Uhr), Vorträge (14 Uhr und 15.30 Uhr), Kulinarik und Unterhaltungsprogramm.
In der letzten Woche vor den Schulferien haben rund 120 Schulkinder die Archäologen besucht. Ihre Eindrücke konnten sie in Zeichnungen festhalten und diese zu einem Wettbewerb einreichen, beim Fest zeichnet eine Expertenjury die Sieger mit Preisen aus.
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