Halbjahresbilanz zeigt

„Jeden Tag geht in Tirol ein Betrieb insolvent“

Tirol
11.07.2026 16:00

Es sind keine leichten Zeiten für die Wirtschaft. Das zeigt sich auch in der aktuellen Statistik vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) über die Insolvenzen im ersten Halbjahr. Exakt 170 Firmen schlitterten von Jänner bis Ende Juni in Tirol in die Pleite.

Das sind zwar um 30 Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres, jedoch „muss man festhalten, dass das erste Halbjahr 2025 ein sehr hohes Insolvenzaufkommen hatte“, betont Johanna Schumacher vom AKV.

Tatsächlich bewege man sich wieder auf den sehr hohen Zahlen aus dem Jahr 2024. „Durchschnittlich geht in Tirol pro Tag ein Unternehmen insolvent“, bringt es die Expertin auf den Punkt.

Was bei der Statistik ins Auge sticht: Lediglich über 94 der 170 in die Pleite geschlitterten Betriebe wurde auch ein Insolvenzverfahren eröffnet. „Den insolventen Unternehmen fehlt zum Teil ausreichend Vermögen, um die Verfahrenskosten abzudecken, sodass nur in 55 Prozent der Fälle auch ein gerichtliches Insolvenzverfahren abgewickelt wird“, klärt Schumacher diesbezüglich auf.

Negativer Spitzenreiter
Gemessen an den Passiva nimmt Tirol im Bundesländervergleich die Spitzenposition ein. Das hat vor allem mit der Insolvenz der Laura Privatstiftung rund um Pleitier René Benko zu tun, in der zwar 1,7 Milliarden Euro an Forderungen angemeldet wurden. Davon wurden jedoch bisher nur 32 Millionen Euro anerkannt. Unter den „Top 10“ befindet sich auch die Pleite der Nothegger Transport Logistik GmbH mit rund 36,4 Millionen Euro Passiva. „Das Unternehmen ist nach wie vor bemüht, die Finanzierung für einen Sanierungsplan aufzubringen“, erklärt dazu Schumacher.

Rückgang bei Privatinsolvenzen
Wie sieht es bei den Privatpersonen aus? Hier zählten die Analysten beim AKV im ersten Halbjahr 326 Insolvenzen, was einem Rückgang von 2,4 Prozent entspricht. Klingt auf den ersten Blick positiv. „Dieser Rückgang ist aber wohl auch auf die schon länger anhaltende personelle Unterbesetzung der Schuldenberatung Tirol zurückzuführen“, führt Schumacher aus. Der AKV geht somit von einer weit höheren Anzahl an Betroffenen aus.

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