Verordnung in Kraft

Tulln wird fast komplett zur Tempo-30-Zone

Niederösterreich
04.07.2026 10:30

Ab Montag gelten in Tull fast überall neue Geschwindigkeitsregeln. Während die Stadt damit die Verkehrssicherheit erhöhen und die Lebensqualität verbessern will, kritisiert die FPÖ einen „Schilderwald“ und hält die Maßnahme für überzogen.

In Tulln heißt es ab Montag: Fuß vom Gas! Mit Inkrafttreten der neuen Verordnung gilt auf fast allen Gemeindestraßen nur mehr Tempo 30. Ausgenommen bleiben lediglich Bundes- und Landesstraßen sowie einige wenige, gut ausgebaute Nebenstraßen. Dem Schritt ging ein mehr als vierjähriger Entscheidungsprozess voraus. Die Stadt verweist auf zwei Pilotprojekte, eine Bürgerbefragung sowie eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Gemeinderatsfraktionen. Ziel sei ein möglichst breiter Konsens gewesen.

„Keine leichte Entscheidung“
„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir sind einen Weg gegangen, der zu einem größtmöglichen Konsens geführt hat“, erklärte Bürgermeister Peter Eisenschenk bereits im Vorfeld. Mit der flächendeckenden Tempo-30-Regelung sollen die Verkehrssicherheit erhöht sowie Lärm- und Schadstoffbelastung reduziert werden. Außerdem verspricht sich die Stadt eine höhere Lebensqualität für die Bürger.

FPÖ: „Verkehrspolitischer Irrsinn“
Als einzige Gemeinderatsfraktion stimmte die FPÖ gegen die neue Verordnung – und sieht sich mit deren Inkrafttreten bestätigt. „Schon der Beschluss im Gemeinderat war ein verkehrspolitischer Irrsinn. Jetzt zeigt sich endgültig, wie unausgereift und realitätsfern dieses Projekt tatsächlich ist. Statt einer vernünftigen Verkehrsplanung gibt es nun einen Schilderwald quer durch Tulln“, kritisiert Stadtrat und Landtagsabgeordneter Andreas Bors.

Besonders die Umsetzung stößt bei den Freiheitlichen auf Kritik. An den Ortseinfahrten würden Zusatztafeln auf jene Straßen hinweisen, auf denen weiterhin Tempo 50 gelte. Gemeinsam mit mehreren Dutzend neuen Verkehrszeichen im Ortsgebiet sei das für Ortsunkundige kaum mehr nachvollziehbar. „Genau dieses Schilderchaos haben wir vorhergesagt – und genau so ist es nun eingetreten“, so Bors.

Zweifel am Sicherheitsargument
Auch das von der Stadt angeführte Sicherheitsargument lässt der Freiheitliche nicht gelten. Laut einer Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit habe es zwischen 2020 und 2024 in ganz Tulln lediglich neun Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit gegeben. Fünf davon hätten Autofahrer betroffen, vier Radfahrer. Zudem kritisiert Bors die Kosten der neuen Beschilderung. Der „Schilderwald“ verursache Ausgaben von mehreren Tausend Euro, die aus seiner Sicht an anderer Stelle sinnvoller investiert wären.

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