Freude im Stubaital

Sechsmal Hochwasser: Nun kommt große Verbauung

Tirol
04.07.2026 06:00

Allein in den vergangenen zwölf Jahren kam es am Oberbergbach in Neustift im Stubaital zu sechs (!) größeren Hochwasserereignissen. Um den am schlimmsten betroffenen Ortsteil Milders zu schützen, präsentierte die Wildbach- und Lawinenverbauung nun ein umfassendes Millionenprojekt.

„Wir können Naturgefahren in einem Land wie Tirol nicht verhindern. Aber wir können dafür sorgen, dass Menschen und Infrastruktur bestmöglich geschützt werden. Zunehmende Starkregenereignisse erfordern eine aktive Anpassung des Schutzniveaus“, sagte der zuständige LHStv. Josef Geisler bei der Präsentation vor Ort.

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Zunehmende Starkregenereignisse erfordern eine aktive Anpassung des Schutzniveaus.

LHStv. Joser Geisler

Baustart im kommenden Jahr
Die Bauarbeiten beginnen im kommenden Jahr und haben enorme Dimensionen, sodass das Gesamtprojekt in mehreren Etappen bis 2044 läuft.  Bürgermeister Andreas Gleirscher betonte die Bedeutung dieses Projekts: „Besonders geht es um die Sicherheit im Ortsteil Milders, wo rund 800 Menschen unmittelbar vom Oberbergbach betroffen sind.“

Schon in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Hochwasser und Muren.
Schon in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Hochwasser und Muren.(Bild: Christof Birbaumer)

Zwei große neue Becken für Geschiebe
Gebhard Walter, Leiter der Sektion Tirol der Wildbach- und Lawinenverbauung, verwies darauf, dass die derzeitigen Geschiebeablagerungsbecken nicht ausreichen würden. Hinzu käme, dass weite Bachabschnitte oberhalb des Schwemmkegels starke Erosionserscheinungen aufweisen würden. Geplant sind zwei neue Geschiebeablagerungsbecken, gestaffelte Sperren sowie Maßnahmen zur dauerhaften Stabilisierung erosionsgefährdeter Bachabschnitte. 

Die WLV in Tirol

Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) ist eine nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft und soll die Bevölkerung und die Infrastruktur vor Naturgefahren schützen.

Die Sektion Tirol mit ihrem Hauptsitz in Innsbruck umfasst fünf Gebietsbauleitungen in Lechaschau, Imst, Innsbruck, Wörgl und Lienz. Im Bereich der Sektion Tirol sind insgesamt 65 Techniker sowie Verwaltungsbedienstete und 190 Mitarbeiter auf den Baufeldern tätig. Die Sektion Tirol betreut 2320 Wildbach- und 2694 Lawineneinzugsgebiete mit einer Gesamtfläche von rund 11.510 Quadratkilometern, das entspricht etwa 91 Prozent der Gesamtfläche Tirols.

So wird die Finanzierung aufgeteilt
Die Finanzierung in Höhe von 24,6 Millionen Euro ist fixiert. 54 Prozent übernimmt das Landwirtschaftsministerium. Weitere 18 Prozent trägt das Land Tirol, 28 Prozent entfallen auf die Gemeinde Neustift. Die Tiwag, die über Betriebsanlagen im Oberbergtal verfügt, beteiligt sich mit drei Millionen Euro am Projekt.

Böse Erinnerung an den Juli 2022
Besonders schlimm hatte es das Stubaital und auch den Bereich Oberbergbach am 22. Juli 2022 getroffen. Mehrere Muren gingen im größten Seitental ab, Almen wurden von der Außenwelt abgeschnitten. „Die Straße ins Tal ist weggerissen, es gibt keinen Strom, kein Trinkwasser. Wir versorgen die Almen aus der Luft“, schilderte Bürgermeister Andreas Gleirscher damals der „Krone“. Auf der Franz-Senn-Hütte saßen 120 Personen fest.

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