Jugendliche gefährdet

Wenn Ablenkung mitfährt, sind Folgen oft tödlich

Tirol
04.07.2026 07:00

Das Navi spricht, der Beifahrer nervt, das Handy braucht Zuwendung: Ablenkung ist Unfallursache Nummer eins. Von 4000 Unfällen in Tirol jährlich ist fast die Hälfte darauf zurückzuführen. Eine Gruppe ist besonders gefährdet. 

Ein 20 Meter langes Transparent, das anzeigt, wie viele Meter Autofahrer im Blindflug unterwegs sind, wenn sie nur eine Sekunde lang auf das Handy blicken: Damit sind Jugendliche wohl kaum zu beeindrucken. Es braucht also schon mehr als das, um Schülerinnen und Schüler die Gefahren durch Ablenkung im Straßenverkehr eindrücklich aufzuzeigen, dürften sich Kuratorium für Verkehrssicherheit, Stadt, Land und Exekutive gedacht haben, als sie ihre aktuelle Kampagne konzipierten.

Zitat Icon

Immer mehr Menschen nutzen Verkehrsmittel und neue Mobilitätsformen. Die Straßen werden voller, der Verkehr komplexer. 

Enrico Leitgeb, Landespolizeidirektion

Diese hat einen ernsten Hintergrund: Denn in Tirol ist die Zahl der Unfälle, die sich aufgrund von Ablenkungen ereigneten, noch einmal deutlich höher als im ohnehin hohen Bundesschnitt. Im Jahr 2025 wurden laut Enrico Leitgeb, Leiter der Verkehrsabteilung der Polizei, rund 4000 Unfälle auf Tirols Straßen gezählt. Davon waren 1736 durch Ablenkung am Steuer bedingt – das ist ein Anteil von 42 Prozent aller Unfälle. Zum Vergleich: In Österreich sind es 34 Prozent.

(Bild: Christof Birbaumer)
Mit einer Brille, die eingeschränktes Sichtfeld simuliert, wurde Schülern vorgeführt, wie ...
Mit einer Brille, die eingeschränktes Sichtfeld simuliert, wurde Schülern vorgeführt, wie Orientierung zum Problem werden kann.(Bild: Christof Birbaumer)
Durch eine gebückte Körperhaltung wird das Sichtfeld automatisch enorm eingeschränkt.
Durch eine gebückte Körperhaltung wird das Sichtfeld automatisch enorm eingeschränkt.(Bild: Christof Birbaumer)
(Bild: Christof Birbaumer)

Volle Aufmerksamkeit statt Ablenkungen
In Tirol wurden durch diese Unfälle 2030 Personen verletzt, elf kamen ums Leben. „Damit Ablenkungsunfälle erst gar nicht passieren, bedarf es stetiger Bewusstseinsbildung. Die Schwerpunktwoche setzt gezielt bei jungen Menschen an und vermittelt praxisnah und altersgerecht, warum volle Aufmerksamkeit im Straßenverkehr so entscheidend ist“, erklärte Verkehrslandesrat René Zumtobel bei der Vorstellung der Projektwoche in Innsbruck-Arzl.

Zitat Icon

Gerade Jugendliche sollen früh erfahren, welche Folgen eine kurze Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr haben kann.  

Vize-BM Elisabeth Mayr

Diese richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Schulstufe. Statistiken zufolge zählen sie zu den am meisten gefährdeten Personengruppen im Straßenverkehr. „Rund 11 Prozent aller Verunfallten bei Ablenkungsunfällen in Tirol sind zwischen 15 und 19 Jahre alt“, berichtete Innsbrucks Vize-Bürgermeisterin Elisabeth Mayr: „Verkehrssicherheit ist daher auch eine Bildungsaufgabe!“

Zitat Icon

Prävention und Bewusstseinsbildung sind zentrale Hebel, um Unfälle zu vermeiden und die Sicherheit auf Straßen zu erhöhen. 

Verkehrs-LR René Zumtobel

300 Schülerinnen und Schüler wurden in den vergangenen Tagen durch einen Parcour geschleust, der ihnen die Folgen von vermeintlich harmlosen Ablenkungen im Straßenverkehr drastisch vor Augen führte. Dabei kamen moderne Hilfsmittel und Expertenwissen zum Einsatz. Highlight war eine 270-Grad-Safety-Box: „Diese stellt ein interaktives Tool dar, bei der die Schüler in Selbstversuchen testen können, dass Unachtsamkeit durch die Nutzung eines Smartphones sehr rasch zu heiklen Situationen führen kann“, erläutert KfV-Experte Martin Pfanner.

„Multitasking geht nicht, das ist erwiesen“
„Egal, ob wir uns zu Fuß, mit dem Fahrrad, E-Scooter oder dem Auto im Straßenverkehr bewegen: Es gibt viele Möglichkeiten, sich dabei ablenken zu lassen. Darunter fällt beispielsweise eine Textnachricht zu lesen, intensive Gespräche mit anderen Personen zu führen oder etwas zu essen“, erklärte Enrico Leitgeb. Das Multitasking-Argument lässt er nicht gelten: „Es ist erwiesen, dass das nicht funktioniert.“  

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung