Seit den 1990er-Jahren hat die Grazer SPÖ bei Kommunalwahlen stets verloren – den Trend konnte Spitzenkandidatin Doris Kampus mit ihrem auf Gesundheitsthemen fokussierten Wahlkampf nicht umdrehen, im Gegenteil: Die SPÖ verliert weiter an die KPÖ und hält nur noch 5,6 Prozent der Wählerstimmen. Eine „Katastrophe“ – wohl auch mit personellen Konsequenzen.
Was soll man einer Elke Kahr links der politischen Mitte entgegensetzen? Doris Kampus hatte in diesem Wahlkampf für die SPÖ Graz alles auf eine thematische Karte gesetzt und den „Gesundheitsnotstand“ für die Landeshauptstadt ausgerufen. Schon Monate vor dem Wahlkampf hatte die ehemalige Soziallandesrätin ihr Team gewechselt und jahrelang engagierte Gemeinderäte auf unwählbare Plätze verbannt.
Am Sonntagabend waren kurz nach der ersten Hochrechnung nur noch wenige Genossen im Volksgartenpavillon zugange und löffelten bei tropischen Temperaturen ihr Chili con oder sin Carne. „Das Ergebnis ist katastrophal und nicht zu beschönigen“, sagt Landesgeschäftsführer Florian Seifter. „Ich möchte mich bei Doris Kampus bedanken, dass sie in herausfordernden Zeiten Verantwortung übernommen hat.“
Stadtratsmandat verfehlt
Kampus hat ihr selbst festgelegtes Wahlziel – einen Zugewinn – weit verfehlt und stattdessen fast vier Prozentprozente verloren. Auch ein Stadtratsmandat geht sich nicht aus. Dieses Mandat hatte Kampus zur Bedingung gemacht, wieder Teil einer Koalition zu sein. KPÖ und Grüne dürften dafür nun aber selbst genug Mandate haben.
Muss Kampus zurücktreten? „Personelles werden wir am Montag besprechen“, sagt SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz. „Wir brauchen einen Neustart der SPÖ Graz.“ Seifter möchte „in den nächsten Monaten einen Prozess einleiten“, der jedoch von der SPÖ Graz intern kommen müsse. „Man kann in drei Monaten nicht wettmachen, was man seit 15 Jahren versäumt hat.“
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