Nach Wien könnte bald auch am Grazer Hauptbahnhof Schluss mit dem Feierabendbier sein. Denn die ÖBB prüfen derzeit eine Ausweitung des Alkoholkonsumationsverbots auf weitere große Bahnhöfe. Die Meinungen der Grazer Fahrgäste gehen auseinander.
Morgens am Grazer Hauptbahnhof: Pendler düsen vom Zug zur Bim – die Arbeit ruft. Lust auf Alkohol haben zu dieser Uhrzeit die wenigsten. Doch auch das weit verbreitete Feierabendbier bleibt den Fahrgästen womöglich bald verwehrt.
An einigen österreichischen Bahnhöfen gilt schon länger ein Alkoholverbot, seit Mai 2026 auch am Wiener Westbahnhof. Das Verbot wirkt – insgesamt wurden hier seither 171 Anzeigen ausgestellt. Ganz zum Wohlbefinden der Fahrgäste und zum Schutz der Mitarbeiter. Nun beauftragte SPÖ-Verkehrsminister Peter Hanke die ÖBB, eine Ausweitung des Modells – unter anderem auf Graz – zu prüfen.
Kein Verbot im Zugabteil
Herbert Hofer, Pressesprecher der ÖBB, betont, dass Alkohol nicht generell verboten werde: „Es handelt sich um ein Verbot des Alkoholkonsums im Bahnhofsbereich, nicht um ein generelles Alkohol- oder Verkaufsverbot.“ Weder Gastrobetriebe noch Züge wären davon betroffen.



Die „Krone“ hörte sich am Grazer Hauptbahnhof um: „Ich fände ein Verbot gut, da sehr viele Alkoholiker hier sind und es mit denen immer Probleme gibt“, erklärt der 65-jährige Munir, der Zeitungen am Bahnhof verkauft. Ähnlich sieht es Lena, 22, die regelmäßig von Graz in ihre Heimat fährt: „Vor allem als Frau fühlt man sich manchmal unwohl – Leute, die hier Alkohol konsumieren, fallen ständig ungut auf.“
„Feierabendbier ist normal“
Anderer Meinung ist die 20-jährige Wienerin Viki, gelernte Tischlerin, die regelmäßig am Grazer Hauptbahnhof unterwegs ist: „Ich komme aus dem Handwerk, da ist es normal, nach der Arbeit ein Feierabendbier zu trinken. Starker Alkoholmissbrauch gehört aber reduziert.“ Und weiter: „In Wien ist das aber eher nötig als in Graz.“
Damit ein Verbot auch nachhaltig umgesetzt werden könne, sei laut ÖBB eine enge Abstimmung mit Politik, Gemeinden, Polizei und anderen Stakeholdern nötig. Ansonsten würde sich das Problem nur auf andere Plätze, Parks oder Wohngebiete verlagern.
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