Di, 18. September 2018

"Humanste Variante"

15.09.2014 10:12

USA: Politiker fordert Hinrichtung mit Stickstoff

Nach mehreren Pannen bei Hinrichtungen in den USA lässt nun ein Politiker aus Oklahoma mit einem Vorschlag aufhorchen. Der republikanische Abgeordnete Mike Christian will Verurteilte künftig durch die Zufuhr von reinem Stickstoff töten lassen.

Christian will seine Idee demnächst bei einer Anhörung zur Zukunft der Todesstrafe in Oklahoma City präsentieren und bis Ende des Jahres einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen, berichtet das deutsche Magazin "Der Spiegel". Sollte der Entwurf eine Mehrheit bekommen, könnte Stickstoff schon im kommenden Jahr die Giftspritze als Hinrichtungsmethode ablösen.

Stickstoff wird von einigen Sterbehilfeorganisationen als sichere, schnelle und schmerzlose Form der Selbsttötung propagiert. "Es ist die menschlichste Art zu sterben: Du sitzt einfach da, und kurz darauf bist du tot", zitiert der "Spiegel" Mike Christian. "Sie erfüllt definitiv die Anforderung unserer Verfassung, dass Strafen nicht 'grausam oder ungewöhnlich' sein dürfen."

Beim Tod durch Stickstoff wird der Verurteilte in eine luftdichte Kammer oder unter einen Plastiksack gesetzt. Die Zufuhr von Stickstoff und die Abwesenheit von Sauerstoff sollen schnell zur Bewusstlosigkeit und letzten Endes zum Tod führen. Die Methode wurde noch nie für staatliche Hinrichtungen benutzt. "Stickstoff ist die humanste, günstigste und unkomplizierteste Variante", sagt Dr. Michael Copeland von der East Central University in Oklahoma, den Christian mit einem wissenschaftlichen Gutachten beauftragte.

Mehrere Pannen bei Hinrichtungen
In diesem Jahr verliefen mehrere Exekutionen mit der Giftspritze in den USA grausam ab. In Ohio dauerte der Todeskampf eines Verurteilten 25 Minuten, in Arizona musste ein Mann zwei Stunden leiden. In Oklahoma kam es heuer bereits zu fünf Pannen bei Hinrichtungen mit Giftinjektionen. Grund dafür ist die mangelnde Qualifikation der Exekutionsteams, außerdem fehlt den Behörden inzwischen der Zugang zu lange verwendeten Präparaten. Seit die EU vor drei Jahren eine Ausfuhrkontrolle für bestimmte Substanzen verhängte, um zu verhindern, dass diese bei Hinrichtungen zum Einsatz kommen, gehen den US-Staaten die Narkosemittel Pentobarbital oder Thiopental aus.

Laut "Spiegel" dürfte es Mike Christian weniger darum gehen, die Hinrichtungen schmerzloser zu gestalten, sondern das Aus der stark in die Kritik geratenen Todesstrafe zu verhindern. Nach einer verunglückten Hinrichtung im Frühjahr hatte der Republikaner nämlich noch gemeint: "Es ist mir egal, wie die Todesstrafe ausgeführt wird, ob per Giftspritze, der Guillotine oder durch Fütterung der Löwen."

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