Ein Vorarlberger Tierarzt und Landwirt steht unter Verdacht, seine angebundenen Rinder nachts derb beschimpft und brutal geschlagen zu haben. Die Polizei ermittelt, eine behördliche Kontrolle ist geplant. Die Grünen zeigen sich entsetzt und fordern von Tierschutzlandesrätin Martina Rüscher eine lückenlose Aufklärung.
Publik wurde der grausame Vorfall durch einen Bericht der „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“. Dem Medium zugespieltes Videomaterial zeigt einen Mann, der in der Nacht einen Anbindestall betritt, dort lautstark ein Rind beschimpft und mehrfach mit einem Gegenstand auf das Tier einschlägt. Informierten Kreisen zufolge habe der Hobbylandwirt und hauptberufliche Tierarzt in den vergangenen Monaten wiederholt seine Rinder misshandelt. Bereits Ende Juli wurden den Behörden diesbezügliche Informationen zugetragen, Anfang August rückte die Polizei an.
Tierarzt bestreitet die Vorwürfe
Der betroffene Tierarzt bestreitet die Vorwürfe vehement und erklärt die Videoaufnahmen damit, dass er an diesem Abend Insekten bekämpft habe und zudem eine in einen Futterbarren gefallene Kuh retten musste – diese hätte er nur deshalb geschlagen, damit sie ihre Position verändere. Und die Beschimpfungen? Mit Kühen müsse man mitunter laut kommunizieren, da sie Grenzen austesten würden, so der Tierarzt.
Landesveterinär kündigt Kontrolle an
Die Landespolizeidirektion Vorarlberg bestätigt laufende Ermittlungen zur Sachverhaltsfeststellung. Landesveterinär Norbert Greber beurteilt hingegen das Videomaterial als „qualitativ unzureichend“ für ein förmliches Verfahren. Unabhängig davon werde zeitnah eine Vor-Ort-Kontrolle durchgeführt, um möglichen Verstößen nachzugehen.
VGT zeigt sich erschüttert
Der Verein gegen Tierfabriken reagiert hingegen mit deutlicher Kritik. Die Organisation spricht von „erschütternden Aufnahmen“ und betont: Sollte sich der Verdacht wiederholter Übergriffe bestätigen, handle es sich nicht um einen Ausrutscher, sondern um „brutale Gewalt gegen wehrlose Lebewesen“. Ähnlich sieht das Grünen-Klubobmann Daniel Zadra: „Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, haben wir es mit einer absolut inakzeptablen und grauenhaften Form der Tierquälerei zu tun. Eine derartige Viehhaltung hat in unserem Land keinen Platz!“ Er fordert nun von der zuständigen Landesrätin Martina Rüscher eine vollständige Aufklärung der Causa. Auch von der Standesvertretung der Bäuerinnen und Bauern erwartet sich Zadra Klartext: „Wer so mit Tieren umgeht, sollte keine Verantwortung für Lebewesen tragen dürfen. Es braucht hier klare Grenzen.“
Wer so mit Tieren umgeht, sollte keine Verantwortung für Lebewesen tragen dürfen. Es braucht hier klare Grenzen.
Daniel Zadra, Klubobmann und Tierschutzsprecher der Vorarlberger Grünen
SPÖ fordert Aufklärung über bisheriges Vorgehen der Behörden
Gerade von einem Tierarzt dürfe man sich einen besonders verantwortungsvollen Umgang mit Tieren erwarten, zeigt sich auch SPÖ-Landwirtschafts- und Tierschutzsprecher Reinhold Einwallner entsetzt. Zugleich verweist er aber darauf, dass in dem Fall noch viele Fragen ungeklärt sind: „Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung. Entscheidend ist jetzt, dass die Vorwürfe unabhängig geprüft und das Wohl der Tiere sichergestellt wird.“ Irritiert zeigt sich Einwallner vom bisherigen Vorgehen der Behörden: „Wenn es stimmt, dass die Vorfälle bereits vor Monaten gemeldet worden sind, dann müssen die zuständigen Regierungsmitglieder Christian Gantner und Martina Rüscher offenlegen, wann welche Stelle von den Vorwürfen erfahren hat und welche Maßnahmen daraufhin gesetzt wurden. Man tut weder den Landwirten noch dem Tierschutz einen Gefallen, wenn man so lange abwartet, bis ein Video veröffentlicht wird.“
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