Johannes Holzer verdient sich seine musikalischen Meriten hierzulande als kundiger Musiker in unterschiedlichen Projekten. Daneben konzentrierte er sich auf sein Soloprojekt Yan Nay, mit dem er nun sein Debütalbum „Surface Level Love“ veröffentlicht. Im ausführlichen „Krone“-Talk erklärt er uns, welche Erlebnisse diesem Werk zugrundeliegen und was sein Erwachsenwerden damit zu tun hat.
Als einen bunten Hund in der Wiener Musikszene könnte man den gebürtigen Salzburger Johannes Holzer bezeichnen. Er spielt Bass bei den folkloristisch angehauchten The Belgian Blue, Gitarre bei der famosen Indie-Künstlerin Filiah und ist auch immer wieder auf der Bühne von Freude und Lorenz Ambeek zu sehen. Doch abseits all der vielen Projekte schraubte er einige Zeit lang beharrlich an seinem Soloalbum, das mit sanften Melodien, alternativ-poppigen Zugängen und Coming-Of-Age-Themen zu überzeugen weiß und mehr als nur eine kleine Perle am heimischen Indie-Himmel ist. „Surface Level Love“ nennt sich das gute Stück, das als gewinnbringendes Kaufargument gleich am Cover mit Cat-Content aufwartet – aber im Gegensatz zu anderen Werbeprodukten auch inhaltlich zu überzeugen weiß.
Resultat aus einer Reflexion heraus
„Es geht darum, dass unter einer gewissen Oberflächlichkeit sehr viel Sehnsucht nach echter Nähe besteht“, erklärt der Musiker im „Krone“-Interview den Gedanken hinter dem Album, „einerseits geht es um die typischen Findungsphasen, die man als Mittzwanziger durchlebt, andererseits um dieses oft künstliche Selbstbewusstsein, das man sich in dieser Zeit auferlegt. Das Album soll in erster Linie mich beschreiben – aus beiden gegensätzlichen Sichtweisen heraus.“ Viele der Songs sind aus einer langen Phase der Schlafstörung heraus entstanden. „Ich habe jede zweite Nacht furchtbar schlecht geschlafen und bestimmte Medikamente dagegen genommen. Das war nicht einfach.“ Gleichzeitig verfiel Holzer, der sich als Künstler Yan Nay nennt, in eine schwierige Reflexionsphase über Alter, Ausrichtung und Ziele im eigenen Leben.
„Mit 25 war Musik noch reiner Spaß. Es ging darum, eine gute Zeit zu haben.“ Yan Nay tüftelte mit einem vertrauenswürdigen Songwriter- und Produzententeam an den Tracks und hatte das Album in gut zwei Wochen geschrieben und aufgenommen. Musik macht er seit seinem 15. Lebensjahr, eine durchaus lohnende zusätzliche Einnahmequelle ist die musikalische Funktion in einer Hochzeitsband. „Mittlerweile weiß ich, dass ich auf meine Skills vertrauen kann. Ich jamme mit Freunden herum, jongliere bei den Texten und dann kommt etwas raus.“ Die meisten Instrumente spielt Yan Nay dabei selbst ein, hier und da dürfen auch ein paar Synthies reinschnuppern, obwohl die Welt der elektronischen Musik jene sei, von der er am allerwenigsten Ahnung hat, wie er unumwunden zugibt. Inspirationsquellen für Yan Nay sind so unterschiedliche Acts wie Paul Simon, Van Morrison, Jimi Hendrix oder Stevie Ray Vaughan.
Beruf oder Leidenschaft
Lange war Holzer überhaupt nicht klar, ob er unter seinem Künstlernamen noch Musik veröffentlichen sollte. „Ich habe damit Zeiten assoziiert, die schon lang zurückzuliegen scheinen, aber es gab jetzt eine tolle Chance, mit Unterstützung diese Musik veröffentlichen zu können und die wollte ich auf jeden Fall nützen. Um von der Musik leben zu können, muss man ein großer Top-Künstler sein. Davon bin ich sowieso weit entfernt. Es wird sich in den nächsten Jahren wohl entscheiden, ob es zu einem Beruf wird oder Leidenschaft bleibt.“ Woher kommt eigentlich Yan Nay? „Mit 15 war ich bei meinem besten Freund in den USA, weil er dort Verwandte hat. Die haben immer Yannay zu mir gesagt und so hat sich das dann ergeben. Es ist ein Palindrom, das ich cool fand, und so habe ich es behalten. Für das Album habe ich mit vielen tollen Menschen gearbeitet. Es ist eine Art kollaboratives Soloalbum.“
Die Texte schrieb er zum Teil auch mit Nina Schwarzott aka Filiah, der gerade angesagten Indie-Musikerin aus Wien. „Das war wie kleine Therapie-Sessions, wo wir uns öffneten und gemeinsam einen Text rausgeballert haben. Es geht um viele Mental-Health-Geschichten, die ich verarbeiten konnte.“ Songtitel wie „Everything Is Free“, „As Good As You“, „I Still Need You” oder „In And Out Of Time” deuten bereits an, dass die lyrische Umsetzung einem intensiven Seelenstriptease gleicht. „Es geht viel um Beziehungen, aber nicht immer um jene in der Liebe, sondern auch einfach in Freundschaften oder im zwischenmenschlichen Sinne. Es sind im Prinzip sehr ehrliche Geschichten, die aber mit Fiktivem verstärkt sind. Ich bin da bei mir selbst noch auf der Suche nach dem richtigen Filter. Geradeheraus Texte aus dem Leben zu schreiben, das ist mir derzeit noch zu eindeutig. So weit bin ich als Songschreiber derzeit noch nicht.“ „Still Need You“ ist ein besonders intensiver Song. „Die Person, die darin gemeint ist, checkt es wahrscheinlich eh nicht, das ist eine ganz persönliche Nummer – aber so verpackt, dass es Ambivalenzen gibt und der Inhalt nicht klar zuordenbar ist.“
Posten sollte Spaß machen
Yan Nay hat im Musikbusiness auch schon schlimme Erfahrungen durchstanden, ist finanziell und vertrauenstechnisch eingefahren, ließ sich davon aber trotzdem nicht den Wind aus den Segeln ziehen. Nebenbei wird fleißig studiert und somit nicht alles auf eine Karte gesetzt. Veränderungen gegenüber steht er offen gegenüber. „Vielleicht muss ich auch mal raus aus Wien und gehe für eine gewisse Zeit nach Berlin. Es muss halt was Leistbares sein, weil Metropolen mittlerweile so teuer sind, aber der Kreativität würde es sicher guttun.“ Der einstige Skater aus Leidenschaft setzt zudem auf Musikvideos und das Trendportal TikTok. „Ich achte darauf, jeden Tag was zu posten, weil das mittlerweile die einzige Plattform ist, auf der man halbwegs frei werben kann. Ich habe dahingehend auch mein Mindset verändert. Früher war das für mich mühsam, heute denke ich mir, ich probiere mich da 20 Minuten pro Tag kreativ aus und schaue, was dabei entsteht.“ Mit dieser Offenheit wird es in näherer Zukunft weitergehen.
Live in Wien
Heute Abend, am 27. Juni, stellt Yan Nay sein Debütalbum „Surface Level Love” im Wiener Club Lucia live vor. Unter www.ntry.at gibt es noch Karten für das Event, auch an der Abendkassa dürfte man noch Glück haben.
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