Die Belebung des Murufers hat sich die Grazer ÖVP nicht erst im Wahlkampf auf die Fahnen geheftet. Eine kuriose Vision des Andritzer VP-Obmanns sorgt jetzt aber bei Naturschützern und Umweltexperten für Kopfschütteln.
Die Grazer ÖVP pocht seit Jahren auf eine stärkere Belebung des Murufers – und auch im aktuellen Wahlkampf kommt dem Thema zentrale Bedeutung zu. Ein aktueller Vorstoß des Andritzer ÖVP-Obmanns Christian Jelesic sorgt aber auch für Irritationen.
Weil die Mur in Andritz durch das große Naturschutzgebiet Weinzödl kaum zugänglich sei, fordert er dort einen „Bezirksstrand“ nach Vorbild des Stadtstrands bei der Seifenfabrik, inklusive Gastrostand. Und zwar genau im Mündungsbereich des Andritzbachs, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte gab, weil sich Menschen nicht an Verbote halten und der Platz oft vermüllt zurückgelassen wurde.
„Gastrostand sorgt für Sauberkeit“
Da sich dort also sowieso immer Menschen aufhalten – entgegen den Vorschriften –, möchte Jelesic den Bereich als Naherholungsgebiet legal zugänglich machen. „Die potenzielle Uferfläche würde nur 0,5 Prozent des Vogelschutzgebiets umfassen, dafür der Bevölkerung 100 Prozent Naherholung bieten. Das muss in einer Stadt wie Graz möglich sein“, so der Andritzer ÖVP-Chef.
Dominic Neumann vom Wirtschaftsbund Andritz kann sich nach Vorbild Stadtstrand auch einen Foodtruck mit Liegestühlen an Wochenenden vorstellen: „Wir sehen, dass ein Gastrostand nicht nur für ein zusätzliches Angebot, sondern auch für Sauberkeit sorgt. Immerhin wollen Betriebe ein einladendes Umfeld vorweisen können.“
„Rechtlich nicht möglich, ökologisch undenkbar“
„Totaler Humbug“, urteilt der Biologe Emanuel Lederer von der Berg- und Naturwacht, der federführend bei der Einrichtung des Schutzgebiets im Jahr 2017 dabei war. Zunächst sei eine solche Nutzung rein rechtlich im Schutzgebiet nicht möglich und würde eine Gesetzesänderung erfordern, die wohl kaum umsetzbar wäre.
Außerdem „ist das Gebiet total wertvoll und sensibel. Wir haben dort 170 Vogelarten nachgewiesen sowie eine reichhaltige Schlangenfauna, und es ist das letzte Gebiet in Graz, wo sich der Fischotter reproduziert. Da ist eine Störung absolut ausgeschlossen“, sagt Lederer und setzt nach: „Aus Sicht des Naturschutzes halte ich das hier für absolut unmöglich. Weiter südlich an der Mur gibt es genug Möglichkeiten, es muss nicht genau an diesem sensiblen Platz sein.“
Wir haben dort 170 Vogelarten nachgewiesen sowie eine reichhaltige Schlangenfauna und es ist das letzte Gebiet in Graz, wo sich der Fischotter reproduziert.
Biologe Emanuel Lederer
Ins selbe Horn stößt Biologe Werner Holzinger, der auch im Naturschutzbeirat der Stadt Graz sitzt: „Abgesehen vom gesetzlichen Rahmen, der das dort nicht hergibt, gibt es weiter südlich genug Flächen für einen Stadtstrand, was ich an sich für eine gute Idee halte – im Schutzgebiet aber völlig kontraproduktiv wäre.“ Generell findet er den ÖVP-Vorstoß „befremdlich, weil dieses Gebiet ja noch unter (Ex-Bürgermeister) Siegfried Nagl ausgewiesen wurde, da gibt es jetzt offenbar Erinnerungslücken“.
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