Traditions-Badeanstalt

Triest: Frau in Männer-Strandbad löst Streit aus

Ausland
21.06.2026 18:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Strandbad „Pedocin“ in Triest werden die Geschlechter traditionsgemäß strikt getrennt. Entsprechend groß war das Aufsehen, als eine ausländische Touristin den Bereich der Badeanstalt betrat, der ausschließlich Männern vorbehalten ist. Es kam zu einem Streit, der fast in eine Prügelei ausartete.

Die Badeanstalt am Triester Stadtstrand gilt als Besonderheit: Ein hoher Mauerdamm trennt dort seit Beginn des 20. Jahrhunderts den Männer- vom Frauenbereich. Es ist das letzte öffentliche Seebad Europas, in dem eine solche räumliche Trennung bis heute praktiziert wird.

Urlauberpaar beschimpft Einheimische
Eine Touristin, die gemeinsam mit ihrem Begleiter den Männerbereich betrat, löste deswegen einen Streit aus, wie die Triester Zeitung „Il Piccolo“ berichtet. Eine Einheimische wies das Paar demnach darauf hin, die Regeln des Strandbades zu respektieren und die vorgesehenen Bereiche einzuhalten. Daraufhin sei es zu einem lautstarken Wortwechsel gekommen. Nach Angaben der Zeitung beschimpfte das Urlauberpaar die Frau aus Triest und kritisierte die Geschlechtertrennung scharf. „Ihr lebt im Mittelalter“, sollen die Touristen gesagt haben. Die Regelung sei Ausdruck von Diskriminierung und Sexismus.

Die Diskussion eskalierte anschließend. Aus dem verbalen Streit entwickelte sich nach dem Bericht ein Tumult mit gegenseitigen Beschuldigungen und einzelnen Rangeleien. Mitarbeiter des Strandbades mussten eingreifen, um die Situation zu beruhigen und eine weitere Eskalation zu verhindern.

Diskussion über traditionelle Aufteilung
Das „Pedocin“-Bad gilt in Triest als kulturelle Besonderheit und identitätsstiftendes Symbol der Stadt. Viele Einwohner verteidigen die traditionelle Aufteilung als historisches Erbe und freiwillig akzeptierte Regelung. Kritiker betrachten die Trennung dagegen als überholt und nicht mehr zeitgemäß. Immer wieder sorgt das Strandbad deshalb für Diskussionen über Tradition, gesellschaftlichen Wandel und den Umgang mit historischen Besonderheiten im öffentlichen Raum.

Strandbad überdauerte K.u.k.-Monarchie
Das Strandbad gibt es seit 1903. Damals war Triest unter österreich-ungarischer Herrschaft. Die Institution überdauerte die K.u.k.-Monarchie, zwei Jahrzehnte Faschismus, zwei Weltkriege, die Besatzung durch die Alliierten und alle weiteren Umwälzungen der vergangenen Dekaden. Ursprünglich trennte ein Zaun die Geschlechter, der später durch eine Mauer ersetzt wurde. Sie wurde nur einmal niedergerissen und versetzt – und zwar 1959, als der Frauenbereich auf Kosten der Männer vergrößert wurde.

Das Strandbad ist ganzjährig geöffnet. Im Sommer kommen etwa 3000 Badegäste am Tag. Besucher schätzen die geringe Entfernung zum Stadtzentrum und die günstigen Preise. Der Eintritt kostet nur einen Euro. Seinen Spitznamen hat die Einrichtung den Einheimischen zufolge entweder von der Triester Dialektbezeichnung für Muscheln (pedoci) oder für Läuse (pedocio). So soll es in der Nähe früher eine Muschelfarm gegeben haben und österreich-ungarische Soldaten nutzten den Strand für ihre Körperpflege.

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