Spiel für den Frieden

Tickets gab es nur im Austausch mit Schusswaffen

Erst zum vierten Mal treffen in der Nacht von Freitag auf Samstag Brasilien und Haiti bei der WM aufeinander – mit drei Siegen und einem Torverhältnis von 17:1 für die Selecao gab es bisher auch keine großen Überraschungen. Und dennoch trug sich ein Duell vor 22 Jahren in die Geschichtsbücher ein.   

Oft ist Fußball mehr als nur Sport – ein ganz besonderes Beispiel dafür gab es im Jahr 2004. Denn Haiti steckte nach einem Staatsstreich mitten in einer blutigen Krise, in Zusammenarbeit mit der FIFA, der brasilianischen Regierung und der UN wurde deshalb ein Freundschaftsspiel organisiert, um den Friedensprozess und die Stabilität in dem politisch schwer gebeutelten Land wieder voranzutreiben. Am 18. August war es so weit, das als „Spiel für den Frieden“ titulierte Duell ging in Port-au-Prince über die Bühne.

Menschen warfen sich vor Panzer
Die Weltmeistermannschaft inklusive Ronaldo, Ronaldinho und Roberto Carlos wurde im kleinen Inselstaat frenetisch empfangen, die Ankunft glich dabei einem Staatsbesuch. Zumal aus Sicherheitsgründen die Stars nicht im Bus, sondern auf gepanzerten Militärfahrzeugen der UN vom Flughafen in die Stadt transportiert wurden.  Über eine Million haitianische Fans säumten die Straßen und warfen sich teilweise vor die Panzer. „Es waren Menschen, die unermesslich gelitten hatten, aber sie waren überglücklich, an der Seite dieser brasilianischen Mannschaft zu sein“, sagte der ehemalige brasilianische Mittelfeldspieler Roger gegenüber der FIFA.

(Bild: Kronen Zeitung)

6:0 war nur nebensächlich
Kurios: Eintrittskarten konnte man nicht kaufen – Tickets wurden direkt gegen abgegebene Schusswaffen eingetauscht. Zumindest war das der ursprüngliche Plan, der aber wieder verworfen wurde, als von jenen, die keine besaßen, der verzweifelte Wettlauf um Gewehre begann. Schlussendlich wurden Tickets für das nur knapp 15.000 Zuschauer fassende Stadion an Schüler und ihre Familien verteilt. Der Endstand von 6:0 für die Brasilianer (Ronaldinho traf dabei dreimal) war nur nebensächlich.

Die Symbolik, die man damit vermittelte und die Freude, die man der leidenden Bevölkerung Haitis dadurch schenkte, waren viel wichtiger. In Anerkennung der humanitären Bedeutung des Spiels erhielt der brasilianische Fußballverband den FIFA-Fair Play-Award.

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