Kleinere Gruppen, sprachliche Durchmischung: Emmerling präsentierte erste Maßnahmen, die Pädagogen entlasten soll. Aus der großen Reform wurde aber eher ein Reförmchen.
Mit den Worten „jetzt geht es los“ kündigte Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) in einer Grundsatzrede an, den Kindergarten auf neue Beine stellen zu wollen. Den ersten Schritt bildete eine großangelegte Umfrage unter Pädagogen und Assistenten, die allerdings für jedermann zugänglich war – wir berichteten.
Nichtsdestotrotz hätten knapp 2400 Personen „verlässliche Antworten“ geliefert. Wohlgemerkt sind allein in den städtischen Kindergärten rund 8000 Personen beschäftigt. Besonders oft wurden der Personalmangel und die Gruppengrößen als Belastungen genannt, sagte Emmerling am Freitag bei einer Pressekonferenz im Bildungscampus Heidemarie Lex-Nalis in Simmering. 47,8 Prozent der Befragten wünschen sich zudem ein höheres Gehalt, 26,7 sehen die Eltern zu wenig gefordert.
Kleinere Gruppen gibt es erst ab 2028 und 2029
Emmerling will jene Antworten nun in politische Maßnahmen gießen. Der Großteil wird aber erst 2027 oder 2028 schlagend. Darunter die Reduktion der Gruppengrößen, die Befragten am häufigsten ein Dorn im Auge war. So sollen in maximal zehn Jahren Kindergartengruppen (3- bis 6-Jährige) und Familiengruppen (alle unter 6 Jahren) um drei bzw. zwei Kinder schrumpfen. Dafür werde ab 2028 und 2029 ein Stufenplan eingeführt. Dann soll in beiden Gruppenformen jeweils ein Kind wegfallen.
Wir wollen einen Kindergarten schaffen, wo jedes Kind die besten Chancen hat und alle Pädagogen wieder eine Motivation verspüren
Bettina Emmerling (Bildungsstadträtin Neos)
Als Grund für die späte Einführung nannte Emmerling das zweite verpflichtende Kindergartenjahr, das ab 2027 kommen soll.
Sprachcluster aufbrechen
Eine weitere Herausforderung seien die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Kinder. Künftig soll deshalb für eine Durchmischung der Alltagssprachen gesorgt werden. Nur mehr ein Fünftel der Kinder mit derselben Alltagssprache (außer Deutsch) dürfen gemeinsam in einer Gruppe sein. Wie genau die Migranten-Grenze umgesetzt werden soll, bleibt in Details aber noch offen.
Eltern drohen Sanktionen
Eltern müssen aber nicht fürchten, dass ihr Kind die bestehende Gruppe sofort verlassen muss, beruhigte die Stadtvize. Dafür soll es Übergangsfristen geben. Ausdehnen will Emmerling auch die Mitwirkung der Eltern. So sollen Gespräche mit Pädagogen künftig verpflichtend sein und gesetzlich verankert werden. Zudem sollen Pädagogen die Möglichkeit bekommen, auch ein zweites Elterngespräch einzufordern. Wird dem nicht nachgekommen, drohen Sanktionen. In welchem Ausmaß blieb sie jedoch schuldig.
Mit einer zweiten sogenannten Konzeptionswoche jährlich im Sommer soll den Beschäftigten zudem mehr Zeit für Vorbereitungen eingeräumt werden.
„Zumindest ein Anfang“
In der Branche reagierte man auf die „Krone“-Anfrage mit Vorbehalt. Für Natascha Taslimi vom Netzwerk elementare Bildung Österreich sei es „zumindest ein Anfang“. Seit Jahren seien die Forderungen der Beschäftigen nicht gehört worden, jetzt bekämen sie „endlich einmal eine Perspektive“, meint sie – auch, wenn sehr spät. Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung, hält kleinere Gruppen für „dringend notwendig“. Begrüßt wird das auch von den Wiener Kinderfreunden.
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