Keine Entspannung

Rückgang bei Pleiten in Tirol trügerisches Zeichen

Tirol
17.06.2026 10:59
Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

Einen deutlichen Rückgang sowohl bei den Firmenpleiten als auch bei den Privatinsolvenzen vermeldete der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) für Tirol am Mittwoch. Grund für eine Entwarnung gibt es damit aber nicht, wird betont.

Wie eine aktuelle Hochrechnung des KSV zeigt, schlitterten im ersten Halbjahr exakt 152 Unternehmen in die Pleite. „Damit verzeichnet Tirol gegenüber dem Vorjahreszeitraum den mit Abstand stärksten Rückgang aller österreichischen Bundesländer“, rechnen die Experten vor. Ein Zeichen für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung sei das aber nicht, ganz im Gegenteil. 

„Die Tiroler Wirtschaft steht weiterhin unter erheblichem Druck. Anhaltende geopolitische Unsicherheiten, schwache internationale Konjunkturimpulse, hohe Kostenbelastungen sowie eine zurückhaltende Investitionstätigkeit prägen nach wie vor das wirtschaftliche Umfeld vieler Betriebe“, heißt es vom KSV.

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Die massiv rückläufigen Insolvenzzahlen dürfen nicht als Zeichen einer wirtschaftlichen Entspannung interpretiert werden.

Dagmar Margreiter

Mehrere Bereinigungen bei der Signa im Vorjahr
Den Grund für den Rückgang bei den Insolvenzen orten die Experten auch bei Mega-Pleitier René Benko. „Im ersten Halbjahr 2025 wurden mehrere Insolvenzverfahren im Zuge der Bereinigung der SIGNA-Konzernstruktur am Landesgericht in Innsbruck abgewickelt, die das damalige Insolvenzgeschehen maßgeblich beeinflusst hatten.“

Laut Dagmar Margreiter „dürfen die massiv rückläufigen Insolvenzzahlen daher nicht als Zeichen einer wirtschaftlichen Entspannung interpretiert werden“. 

Insbesondere Bauträger unter Druck
Wie sieht der Ausblick in die Zukunft aus? Seitens des KSV wird für die kommenden Monate mit einem Anstieg bei den Firmenpleiten gerechnet. „Ausschlaggebend dafür werden – neben der mutmaßlich stattfindenden Konzernstrukturbereinigung im Umfeld der Laura Privatstiftung – laufende strukturelle Anpassungen etwa in der Bauträgerbranche in Tirol sein. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere jene Bauträgergesellschaften zunehmend unter Druck geraten, die bereits in der Vergangenheit über eine vergleichsweise geringe Eigenkapitalausstattung verfügten.“

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Ein Rückgang der Privatinsolvenzen bedeutet derzeit nicht automatisch weniger Überschuldung.

Dagmar Margreiter

Lange Schuldenregulierungsverfahren
Wie sieht es unterdessen bei den Privatpleiten aus? Dazu rechnet der KSV vor: „Mit 334 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren wurde ein Minus von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum registriert. Tirol verzeichnet im Bundesländervergleich damit den stärksten Rückgang bei der Anzahl der Schuldenregulierungsverfahren.“ 

Auch hier gibt es aber keinen Grund für eine Entwarnung. „Ein Rückgang der Privatinsolvenzen bedeutet derzeit nicht automatisch weniger Überschuldung. Viele Betroffene sind auf dem Weg in ein gerichtliches Schuldenregulierungsverfahren mit langen Wartezeiten bei den beratenden Stellen konfrontiert. Die Zahl jener Menschen, die faktisch zahlungsunfähig sind, dürfte konstant bzw. sogar steigend sein“, erklärt Margreiter.

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